Beim Frisör 12 Minuten 12 Euro

Wir sitzen in der Harlachinger Einkehr. Es ist Sommer, da sitzen wir auch mal draußen, die Luft ist so gut.

Der Schankkellner ist dem Posten angemessen unfreundlich. Die Challenge lautet ihn nach einer kleinen alkoholfreien Radler- Halben zu fragen. Wer den folgenden Orkan übersteht trinkt an diesem Abend jede Mass auf Kosten der anderen.

„Wenn jemand einen beschissenen Tag hatte, dann ich!“, behauptet Andreas in das Schweigen hinein. Einfach so sagt er das. Ok, als Chefeinkäufer einer wirklich großen Firma hat er bestimmt oft viel Ärger. Deshalb hat er nicht das alleinige Recht auf Ärger im Büro gepachtet.

Weiterlesen

Mit dem Google-Konto zum außerehelichem Date

Wir sitzen in der Zünftigen Wirtin. Andreas, Klaus, Richard.  Als zuverlässiger, regelmäßiger Saufbruder Gesprächspartner fehlt heute Martin.

„Martin fehlte heute, was ist los mit ihm?“ fragt dann auch Richard. Nicht, dass er Martin wirklich vermisst. Wenn aber jemand aus der Crew nicht auf seinem Platz sitzt … das ist komisch.

Wir bestellen Bier bei Zenzi, und beschließen Martin anzurufen, wenn das Bier kommt. Soviel Zeit hat er.

Martin kommt zuerst.

Er wirkt … anders als sonst. Erfrischt, angeregt, nicht so verbrämt, kaum verbissen. Fröhlich geradezu, so wirkt er heute. Und ruft prompt: „Bier für meine Freunde!“ Weiterlesen

Väter tuns: Panzer fahren in Brandenburg

Wir sitzen in der Zünftigen Wirtin. Klaus, Andreas, Martin.

Richard wirkte in letzter Zeit immer etwas geknickt. Kein Wunder, das Kind braucht ihn kaum noch, im Gegenteil, in der Firma, so erzählt er, geht’s auch nicht wirklich weiter, wir sind sein einziger Quell der Freude.

„Mach doch mal ein Wochenende für dich“, meint Klaus, „mach doch mal was richtig geiles!“

Seine Frau wolle ihn mehr zur … inneren Einkehr bewegen, sagt Richard, immerhin neuer Lebensabschnitt, Sinnlichkeit und so. „Partnermassage haben wir das letzte Wochenende gemacht. Also würden wir uns jetzt die kommenden 15 Jahre massieren!“ Richard nimmt einen Schluck Apfelschorle, als müsse er den Geschmack der Räucherstäbchen runterspülen, die offenbar unentwegt abgebrannt wurden. Bier verträgt er nicht mehr so. Weiterlesen

Kein Vater kann seine Kinder richtig anziehen – behaupten die Frauen

Ich treffe Klaus.

Zufällig. Beim Einkaufen, sein jüngerer Sohn begleitet ihn. Hübsch warm eingepackt trottet er hinter seinem Vater her. Klaus ist über 50 sieht aber aus wie über 40. Gepflegt, seine grüne Army-Jacke harmoniert gut mit seinem schwarzen Pulli, Jeans, bequeme gute Schuhe. Gutes Outfit fürs Einkaufen, der Jahreszeit angemessen.

Wir wechseln ein paar Worte, bevor ich seinen Sohn näher betrachte, und denke, der ist aber echt eingepackt. Das sage ich dann auch: Weiterlesen

Wenn die Tochter dem Vater das neue Auto vermiest

Wir sitzen in der Zünftigen Wirtin.

Thomas kommt, nein stürmt, rast förmlich rein, bevor er noch die Maske vom Mund und Nase reißt donnert er den Autoschlüssel, heute eher die Fernbedienung, auf den Tisch. Eine Bierpfütze muss er nicht fürchten, Zenzi wischt unablässig erst den Tresen, dann alle Tische. Coronazeit.

Männer tun das, den Autoschlüssel auf den Tisch legen, so, dass ihn alle sehen. Das machen sie schon lange. Erst nur den Autoschlüssel. Dann schlich sich das Handy dazu. Dann legten die Erfolgreichen zwei auf den Tisch. Sie müssen ja für die Vollpfosten aus Weiterlesen

Erhabenes Agavengrün? Dynamisches Platingrau? Männer kennen vor allem Dunkles und Helles

Wir sitzen in der Zünftigen Wirtin, schön distanziert, verteilt im kleinen, gut gelüftetem Raum. Heute sind Martin, Jürgen und Thomas da, wir haben zwei Gruppen gebildet. Die Gruppe ‚blau‘ kommt Montag, Mittwoch, Freitag, ‚rot‘ Dienstag, Donnerstag, Samstag. Sonntag ist Ruhe.

Zenzi läuft ab und an vorbei, es ist ja nicht so viel zu tun.  Martin hat bräunliche Flecken an den Fingern, das sehe ich sogar vom über drei Meter (wir sind vorsichtig – niemand will sein Bier aus dem Infusionsschlauch trinken) entfernten Platz: Was ist das bloß? Weiterlesen

… über allem kreist der Weisskopf-Adler

Vätern von Töchtern sagt man nach, sie seien im entsprechenden Alter (also dem der Tochter) unausstehlich, und würden mit der Flinte auf dem Schoß vor der Wohnungstür, und der Kinder(?)-Zimmertür sitzen und über das das Wohlergehen des zarten Töchterchens, das möglicherweise  schon bald 21 Jahre zählt, wachen. Also über das, was die Väter so für das Wohlergehen halten.

Vätern von Jungs wird gar nix nachgesagt. Weiterlesen

Wenn die Digitalisierung ausgedruckt wird

Wir gehen spazieren. Das ist dem Social Distancing geschuldet, normalerweise säßen wir natürlich in der Zünftigen Wirtin. Geht aber nicht. Außerdem, erklärt Jürgen, wenn man den ganzen Tag mit der Familie zusammensitze, und dann beim Abendessen die Halbwüchsigen schnatterten, und die Frau schweigt, dann sei es auch mal Zeit eine Runde zu drehen: „Das ist für alle gut. Für die Kinder, für die Frau, für mich.“

Ich nicke Jürgen wissend zu.

Jürgen sagt, vor lauter Telefonkonferenzen mit Video sei er schon ganz komisch im Kopf. Bei einigen könne er nur zuhören und klicke ein bisschen im Internet rum; sicher, das mache es anstrengend, weil rumklicken und im steten Fluss des Geschwafels der anderen auf Stichwörter hören … puhhh … so stelle er sich vor die Arbeit der Abhörspezialisten des Verfassungsschutz vor. Immer im Dämmerschlaf bis einer Weiterlesen