Thomas organisiert den Glühweinmarkt – wie ein Kölsch

Wir stehen auf dem Weihnachtsmarkt, oder “ … Glühweinmarkt, hihih …i”, wie Martin bei allen passenden Gelegenheiten einwirft, scharen uns um eines dieser fässchen-artigen Tischen.

Erstaunlicherweise kommt eine Maid, und stellt uns ungefragt sieben Glühwein hin, lächelt und verschwindet. Viele andere Trinker Besucher stehen in einer wunderlich kurzen Schlange an der Bude.

Thomas kommt dazu. Er war in letzter Zeit wenig zu sehen, heute wirkt er zufrieden, fröhlich, ein bisschen rotbackig, ja fast feist. Trüge er eine Uhrkette um den bewestenten Bauch, er wäre ein Bierbaron des vorvorigen Jahrhunderts. 

Ist er aber nicht, es ist Thomas.

“Gruss aus der Küche”, sagt er und nickt auf die Glühweins, “Ich bin jetzt Glühweinwirt. Willkommen! beim Heissen Thomas .. versteht ihr? Nicht  Heiliger Thomas.. heißer Thomas! gut was?”

Wir schauen andächtig, blasen vereinzelt auf die Glühweins und schauen uns nach der Maid um, so ein 0,2 Becherchen ist schnell kalt und vor allem leer.

Da niemand so richtig fragt – sei es aus Desinteresse oder Neid oder wegen der Maid – erzählt Thomas von sich aus:

„Neulich wollte ich einen Glühwein, und musste ewig anstehen. Ich ärgerte mich über die chaotische Schlange vor dem Stand. Es stand ur eine Frau hinter dem Tresen, die schenkte aus, kassierte ein, nahm und gab das Pfand. Das alles auch noch umständlich.

Es tat mir weh zuzusehen.

Die Tür zu ihrem Schuppen war offen. Ich schnell rein, ‘Guten Tag’ gesagt, und ‘Ich helf dir jetzt!’ Ihr wisst, ich organisiere gern.”

Das wissen wir: Unvergessen der Versuch, die Zünftige Wirtin neu zu organisieren. Zenzi hob sein Hausverbot auf, weil wir alle für ihn bürgten. Bei seiner damals demnächst-Ex-Frau konnten wir nicht bürgen. Besser gesagt hat sie erst gelacht, und uns die Bohne gezeigt, die das interessierte, aber das ist eine andere Geschichte.

Thomas organisiert eben gern.

Nun also auch dort: 

“Erst gab ich einfach die Pfandmärkchen aus, dann wieder rein. Ich breitete das Geld auf einem Brett unter dem Tresen aus, da konnten wir (“WIR”!) schneller rausgeben, wenn jemand seinerseits seine Kröten im schlecht organisierten Geldbeutel rauskramte, zapfte ich schon mal drei Becher, geht ja alles weg: Der Laden brummte ruckzuck. Am Abend fragte Katja, ob ich am nächsten Tag wieder käme. So hab’ ich die Schlange wegorganisiert.

Inzwischen laufen die Mädels zwischen den Tischen rum, stellen die Becher auf die Tische. Fertig, wie in Köln mitm Kölsch. Da geht was. 5,50 der Becher. Da haste bei fünf Bechern schnell  27,50 drin. Die Fasche beim Edeka kostet 1,99. Also echt ne Gewinnspanne. Das Personal stammt aus Ukraine, denen gebe ich einfach ne Chance, verstehtst ihr? 

Jetzt gehört mir der Laden; “Der Heisse Thomas”! Da drüben gehen die hin, denen der Glühwein hier zu teuer ist. Selber Glühwein, ohne Zusatzgewürz. Gehört auch mir.”

Wir trinken aus. Wir gehen in die Zünftige Wirtin. Da gibt es kühles, unorganisiertes Bier. Nur Zenzi wird ausgebeutet, seit Jahren und von von sich selbst.

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