Weihnacht in der Zünftigen Wirtin (oder fast)

Wir sitzen in der Zünftigen Wirtin.

Andreas, Richard, Klaus, Martin,  ein alter Mann mit weißem Bart und einer komischen Mütze hat sich dazu gesellt, er sagt, er heiße ebenfalls Klaus. 

Wir haben nix gegen Fremde, einige unserer besten Freunde sind Fremde. Er darf und soll dabei sitzen.

Zumal er gleich ne Runde schmeißt, das macht ihn sympathisch. „Weihnachtsgeld, hmm?!” sagt er dazu und zwinkert. 

Offenbar will er noch etwas sagen, aber Martin fällt ihm ins Wort:

“Ich hab ja schon alle Geschenke, ich mache mir nämlich über das  ganze Jahr Notizen.” Martins Sympathiewerte sinken ins Bodenlose.

Klaus ergreift das Wort, seine angenehm tiefe Stimme könnte vermutlich das Firmament ausfüllen, wenn er sie erheben würde. Tut er aber nicht. Wir sind ja auch in der Zünftigen Wirtin, nicht  … … woanders.

Jedenfalls sagt er: “Schön und gut, an die anderen denken. Denkt ihr auch an euch? Wünscht ihr euch etwas?”

Ich schließe kurz die Augen, weil ich weiss, dass nun  Richard und Andreas synchron aus einem Mund sagen werden “Weltfrieden!” und dabei an die schöne Sandra Bullock (also die VOR der OP) denken werden. 

Bruchteile von Sekunden nach diesem Gedanken höre ich 

“Weltfrieden!”

Klaus I verdreht die Augen und sagt, er wünsche sich nix. 

Ich denke an den Schlafanzug, den ich letztes Jahr bekommen habe, und der nicht schlecht war. Vorsichtig frage ich “Gilt Schlafanzug?”

Bernhard vom Tresen mischt sich ein: “Höhöhö” und “Was ich mir wünsche, das sag’ ich nur meiner Frau. Oder zumindest einer Frau. Höhöh!”

Martin bringt wieder den Hammer. Und lässt seine Werte noch tiefer sinken: “Meine Liste für die Familien umfasst 24 Artikel von 50 bis 500 Euro.” 

Wir verdrehen die Augen, schauen auf die Biergläser, winken Zenzi.

Klaus II nickt bedächtig. “Jajaja, 24 Stück? Sapperlot, ‘Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.’ Oder auch ‘Auge um Auge, Zahn um Zahn’. Wer schenkt, muss auch nehmen!”

Es ist eine Woche später. 

Die Jungs sitzen aufgeregt am Tisch. Anfangs weiss ich gar nicht, was los ist. Ich sehe wie sie sich gegenseitig Dinge auf dem Handy zeigen, höre “Leica Objektiv” oder “Handkreissäge für die Garage”, “ Flug nach London” “Toller Rasierapparat, voll mit Klingen” und “Levis-Jeansjacke – wollte ich schon immer.” 

Meine Liste mit 15 Ideen von 0 Euro (langerlangerlaaanger Waldspaziergang) bis 15500 Euro (Lada Niva) ist in den Händen meines Kindes – mit der Bitte, es an das Christkind weiter zu reichen.

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