Weiche Männer kaufen Haustiere

Wir laufen: Richard, Klaus und ich. Die Grundstrecke ist immer gleich, mal laufen wir schneller, mal langsamer, je nach Wetter, Kreisläufen, Trainingszuständen, so Sachen. Am Ende wird einer der Männer ein Haustier besitzen.

Aber im Moment sind nur ab und an die Hunde heikel, die auf der Strecke lauern. Ich gelte als Hundehasser, ich weiß gar nicht warum. Klaus gilt als Hundefutter, zu viele Tiere haben sich bereits gerade eben nicht in seine Wade verbissen; wenn es jemand von uns trifft, dann ihn.

Nur Richard. Richard ist unentschieden.

Sein Junge, Anton, wolle ein Tier, am besten einen Hund. Er führt allerlei übliche Kinderargumente an, schwört sein Taschengeld, seine Zeit, ja sein Leben für die Töle zu geben, wenn er sie nur bekommt. Richard hält mit den Väter-Argumenten dagegen: Was ist im Urlaub? Wo soll das Tier schlafen? Wenn es nicht so ist wie das Kind es erwarten? Wer zahlt den Tierarzt?

Ob es nicht auch Fische tun? frage ich, Gubbys? Kleine Schildkröten, die ich selber als Kind hatte und die später im Klo runtergespült wurden. Oder ein Vogel, ein Vogel wäre gut.  Es gibt auch das Zuchtset „Schmetterlinge“, die Familie wartet darauf, dass sich die Raupen zu Larven wandeln, und sich die Larven entpuppen und zu wunderschönen Schmetterlingen werden. Da geht das Projekt nur ein paar aufregende Wochen, dann könnte wieder Ruhe sein. Toll. Aber ein Hund? Immergleich.

Richard wird richtig sentimental. Als Kind, so erzählt er sichtlich bewegt, habe er unbedingt einen Hund haben wollen. Aber keinen bekommen, er sei mit den gleichen Argumenten abgewehrt worden, die er heute gegen seinen Sohn, seinen eigenen Sohn (!) vewende.

Nun solle sich das ändern. Er wird seinem Sohn, seinem einzigen Sohn das begehrte Tier kaufen, schließlich opfere der im übrigen sehr zuverlässige Sprössling ja nun auch seine Freizeit und werde morgens und abends Gassi gehen.

Einige Wochen später laufe ich allein und treffe Sophia, Mutter von Anton, Frau von Richard. Ihr Sohn bekam also einen Border Collie. Anton ging auch die ersten drei Tage wie gefordert und versprochen Gassi. Dann setzte es aus.

Vater Richard sprang ein, er hielt immerhin 17 Tage durch. Dann übergab er das Tier an die Ehefrau, die seit dem Tag und Nacht unterwegs ist bei Regen und Schnee, bei Sonne und Nebel. Das rote Tütchen an der Leine stapft sie unseren Laufstrecke auf und ab.

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