Mit dem Google-Konto zum außerehelichem Date

Wir sitzen in der Zünftigen Wirtin. Andreas, Klaus, Richard.  Als zuverlässiger, regelmäßiger Saufbruder Gesprächspartner fehlt heute Martin.

„Martin fehlte heute, was ist los mit ihm?“ fragt dann auch Richard. Nicht, dass er Martin wirklich vermisst. Wenn aber jemand aus der Crew nicht auf seinem Platz sitzt … das ist komisch.

Wir bestellen Bier bei Zenzi, und beschließen Martin anzurufen, wenn das Bier kommt. Soviel Zeit hat er.

Martin kommt zuerst.

Er wirkt … anders als sonst. Erfrischt, angeregt, nicht so verbrämt, kaum verbissen. Fröhlich geradezu, so wirkt er heute. Und ruft prompt: „Bier für meine Freunde!“

Das hat Martin das letzte Mal ….  …. vor langerlanger Zeit gesagt.

Zenzi stellt die erstbestellte Runde ab und beeilt sich die zweitbestellte zu zapfen. Wer weiß, was noch passiert?

Als jeder zwei Bier vor sich stehen hat –  wie ein Engländer in Spanien zur Happy Hour –  erzählt Martin:

„Ben brauchte ein Handy, also ein iPhone, jedenfalls haben wir darüber gestritten diskutiert. Am Ende sollte er ein Drittel des Kaufpreises dazu zahlen.“

„Sehr pädagogisch“, sagt Richard, „Jesper Juul wäre stolz auf dich gewesen.“

„Und deshalb gibt es ne Runde Bier?“ fragt Andreas; er musste das fragen, sonst fragt ja Martin immer alles genau nach, das geht ja aber diesmal nicht. Also fragt Andreas.

„Neinneinnein, das iPhone kam recht schnell, es ist ein reff… refööör … „

„Refurbished“, wirft Andreas ein, er geht in der Rolle des genau Wissenden und den Rest besser Wissenden auf.

„Genau, es kam also, dann begann der Kampf: Alte Daten auf das neue Handy, anderes Betriebssystem, verstehste? Kein Spaß! iOs und Android sind ja quasi wie  … USA und Nordkorea.“

„Beste Freunde?“ fragt Klaus, der als erster sein zweites Bier anfangen kann. Noch perlt es schön.

„Achwas, es passt nicht zusammen! Das ist es. Erst rufe ich die im neuen Telefon genannte Adresse auf, aber nix passiert. Hat ja noch keine Simkarte, also .. flugs getauscht … schon gings. Jetzt antwortete aber das andere Handy nicht, hatte ja keine Simkarte mehr! Außerdem waren die in der Computerwoche genannten Apps im Appshop nicht zu finden. Weder die eine, noch die andere, dafür eine dritte, die zwar nix bringt, aber die hat Ben jetzt auf dem Handy. Immerhin kostenlos.“

Martin trinkt einen Schluck. Wir ahnen, wo das ganz hinläuft, aber wundern uns noch immer über das geschenkte eingeschenkte Bier.

„Jedenfalls fing Ben das quengeln an, er habe das Gerät schon mindestens 40 Minuten und ich es nicht zu Laufen gebracht. Dann versuchte ich erst die Apple-Id zu beantragen. Übersprang dabei natürlich die Möglichkeit, die Daten vom alten Handy zu holen, ging später nicht mehr, wusste ich da aber noch nicht. Faltete erstmal Ben zusammen, weil dem das natürlich sofort auffiel. Also erster Stress.“

Martin nimmt einen Schluck Bier von seinem einzigen Bier. Das erste hat er ja noch nicht mitbestellt. Zenzi lauscht gespannt seiner Geschichte.

„Ich meldete also meine Mail-Adresse – Ben hat noch keine – bei Apple an, und wurde darüber informiert, dass ich schon eine Apple-Id hätte. Musste wohl sehr alt sein, also auf Passwort vergessen geklickt. Wusste dann aber nicht, wo das Mail hingeht: Ich hab …“ jetzt wird er leise  „… acht Mail-Adressen. JA WAS, …“ jetzt wird er lauter „… für Spam, und Bestellungen… und ..und … Allerdings wusste ich von fünfen die Passwörter nicht mehr, und musste da auch über all ‚Passwort vergessen‘ anklicken…

Ich versuchte dann die Daten vom alten Handy auf mein Googelkonto zu bekommen, hatte aber auch da den Zugang nicht mehr, also erst die Mail durchgeguckt, dann die Bestätigung per Sms auf meinem Handy angenommen. Dabei fiel mir auf, dass die Corona-App ja den Standort braucht, also wollte ich gucken, ob in der Google-Konto-Zeitleiste meine Bewegungen der letzten vier Wochen zu sehen sind. Sind nicht. Aber die Kontaktdaten meines Sohnes auch nicht. Also würde ich das iPhone nicht über das Google-Konto speisen können, was Ben sofort und schon lange klar war. Die Apple-Id hatte ich inzwischen erfolgreich angelegt, nicht ohne eine SMS auf das neue Handy zu bekommen, die wir nicht ansehen konnten, weil das Handy ja noch nicht richtig in Betrieb war …“

Schluck Bier. Hektisch. Durstig vom vielen Reden.

„Aber die Ziffernkombi für das endgültigen Freischalten der Apple-Id konnte man sich auch irgendwie vorlesen lassen, das wusste Ben, das hat er gemacht, dann gings. Aber ohne seine Daten. Geht ja gar nicht! So ein 12-Jähriger hat ja schon hunderte Kontakte, tausende Bilder, Millionen Whatsapps! Deshalb wollte ich meinen Daten vor allem mal in mein Google Konto einfließen lassen.“

„Gute Idee“, sagte Richard.

„Aber das ging nicht. Dann hätte ich ein Samsung-Konto eröffnen müssen, das Zugriff auf mein Google-Konto hat, das ich inzwischen mit Facebook öffne, und jeder wollte immer den Zugriff auf alle meinen Daten haben. Das finde ich blöde.“

Endlich hatte auch Martin mal vernünftigen Gedanken!

„Also sortierte ich erstmal meine Kontakte überhaupt, man ja so viele Nummern gesammelt, die kein Mensch braucht. Also löscht ich fleißig, dachte bei jeder Nummer, jedem Namen vor allem an die Personen, an die Erlebnisse, an das, was uns verband. Außer beim Elektro-Sandner, den brachte ich ja damals nur zum Wohnungsrenovieren.“

Schluck Bier. Wir schweigen. Und starren. ‚Was?‘ wollen wir ihm zurufen, ‚und? Was nu????‘

„Bis ich auf einen Namen stieß: ‚Eva‘.“

Ah, jetzt wurde es spannend.

„Eva kannte ich nicht. Ich machte hin und her, dann rief ich sie an, Ben war ja damit beschäftigt, seine Kontakte ins neue Telefon einzutragen.“

Und????? fragten drei Augenpaare, mit Ausrufe- und Fragezeichen falls Augen so gucken können.

„Ich komme gerade von meinem Date mit … Eva!“.

Martin war der erste von uns allen, von den gut aussehenden, den charmanten, den sportlichen, von uns allen, der erste der ein außereheliches Date hatte! Martin!

„Das bleibt aber unter uns, gelle?“ sagte Martin und bestellte noch Bier. Für alle.

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