Von Verboten, Tiefgaragen und der Grünwalder Straße

Mit Verboten ist das ja so eine Sache. Ein gutes Verbot auszusprechen ist schwer. Das weiß jeder Elternteil. Jeder. Da muss aussprechende Person, Verbot als solches UND Sanktion passen. Andererseits ist es sehr leicht ein Verbot aus zu sprechen: Schilder an deutschen, öffentlichen Parks zeugen davon: Da ist in hübschen Piktogrammen aufgeführt, das Zelten, Gassigehen, Feuermachen, Lärmen, lagern, Müllabladen  … verboten ist.  Wer es aber verboten hat, wer es ahndet und wenn ja wie, das steht auf den wenigsten Schildern.

Im gerühmten legeren Frankreich ist das auch oft so: Kürzlich lag ich in Südfrankreich an einem Pool (jajaja), auf dem ebenso ein Schild hing, das Laufen, Springen, Spucken, Pflaster, Sonnenmilch, Handys, Wasser-Gummitiere, Schuhe, und allerlei weitere Dinge verbot, unter anderem Badeshorts.

Was soll ich sagen? Die Kinder liefen, sprangen, spuckten wohl auch, an einem Tag entdeckte ich unter meinen Liegestuhl ein altes, wässeriges Pflaster, Sonnenmilch machte ich auf den Häuten einiger Sonnenbadender aus, die auch noch telefonierten. Ab und an schwammen Dinger auf dem Wasser, die nur mit viel gutem Willen als nötige Schwimmhilfe durchgingen.

Den Bademeister interessierten allerdings nur die Badeshorts. Stoisch ruhte er unter seinem Sonnenschirm hinter seiner Sonnenbrille, shakerte ab und an mit der jungen (logisch) Animateurin und kam erst in Wallung, wenn er Badeshorts in seinem Pool entdeckte. Träger oder Trägerin zog er raus, bedeutet ihm oder ihr wahlweise auf Französisch oder mit Hilfe der eigens unter seiner eigenen Badeshort getragenen Badehose, dass Shorts ‚bäh‘ seien in seinem Pool. Weil nämlich der Franzose als solcher gerne Rad fährt (in Shorts. In der Sonne.) und dann ungeduscht in den Pool springt. Das sei nicht schön, daher: verboten. Die Dusche funktionierte übrigens nicht.

Als ich aus dem Urlaub zurück kam prange an unserer bzw. genaugenommen der Hausdurchfahrt des Nachbarhauses ein Papier, sorgfältig mit Panzertape an zwei, drei Stellen ordentlich am Gittertor befestigt. Darauf wurde darauf hingewiesen, das Ball spielen und Radfahren im Hof verboten sei. So.

Nun gehört dieser Hof einer ganzen Reihe von Hauseingängen, sie teilen ihn sich quasi. Außerdem wurde in den 80er Jahren auf dem ohnehin knappen Platz die Nachverdichtung vorweg genommen und winzige, Drei-Zimmer-Häuser ohne Keller aufgebaut. Der Keller wurde zugunsten einer Tiefgarage aufgegeben. Damit wenigsten Autos einen Ort haben, wo man sie unterbringen kann. Die haushaltsüblichen Mengen an Giftstoffen, Reifen, Kleidern und sonstigen wichtigen Dingen, mit denen man gerne Keller-Kartons füllt, parkt man ja gut in den Selfstorage-Häusern, die es inzwischen gibt (damals aber nicht). Und die wiederum Wohnraum wegnehmen. Aber bitte. Gehen tut es.

Nun ist da also gar kein Hof, sondern eher eine Art Weg.

Da die Häuser drumherum vor allem aus 100 Jahre alten Ansammlungen von Klein-Wohnungen bestehen, in denen Familien bestenfalls die ersten sechs Monate ihres Familien-Daseins hausen, um dann in die Vororte zu ziehen und zu grillen, wenn es die Pendlerzeit noch erlaubt.

Also: keine Kinder, die Ball spielen; kein Hof, in dem Ball gespielt werden könnte. Nicht wie wir früher (!) also es noch Garagenhöfe gab, mit riesigen Asphaltflächen, tollen Toren, von denen der Ball metallisch abprallte, mit Flachdächern, die wir erst todesmutig und tapfer bestiegen, damit uns der Hausmeister wieder runter ziehen konnte. Hachja… Geht ja gar nicht mehr in Zeiten der Tiefgaragen.

Also kein Hof, keine Kinder, keine Fläche, kein Hausmeister. Bleibt erstmal das Radeln. Nagut, das kann blöde sein, wenn aus dem einen Hauseingang einer rauskommt, und ein Lycra gwandter Fahrrad-SUV-Fahrer mit soooooolchen Reifen an ihm vorbei zieht. Da kann man schon mal die Biomülltüte fallen lassen vor Schreck. Aber, hey … Ein gewisses Grundrisiko besteht eben in der Stadt.

Und dann. Wem melde ich den Verstoß gegen das Verbot? Der Polizei? Dem Blockwart? Wer hats überhaupt aufgehängt? Und was passiert, würde ich jemandem finden, dem ich ein spielendes Kind melden könnte – was dann? Kann ich im Hof das „Aufrecht gehen und Atmen“ durch das Aufhängen eines Zettels verbieten? Kann ich in der Grünwalder Straße Zettel aufhängen, die das Tragen 60er-Trikos an den entsprechenden Samstag verbietet? Und dann mit Mütze und Trillerpfeife Verstöße gegen ein Bußgeld ahnden? Das könnte mich reich machen. Oder ins Krankenhaus bringen.

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