Dash-Cams machen die linke Spur frei

Kennt noch jemand Super-8-Filme? Fürsorgliche Familien-Väter nahmen vor 40 Jahren mit einer wackeligen Handkamera alles auf, was der Nachwelt wirklich erhalten werden musste: Hochzeit, Kindergeburtstag, Erstkommunion. Im Anschluss versammelten sich Angehörige und andere Menschen, die nicht rechtzeitig fliehen konnten, um die Wunderwerke der Regie zu würdigen.

Die Filmabende waren besser als die Diashows, die dank mehr zeigbaren Materials nie endeten. Gemeinsam litt man im Halbdunkeln, und wer noch konnte lästerte auf dem Heimweg über die schiere Menge der unscharfen Bilder mit merkwürdigen Ausschnitten.

Das ist heute nicht mehr so.

Heute zeigt jeder alles jederzeit. Und ab jetzt 25 Prozent mehr: Dashcams dürfen nun vor Gericht als Beweismittel verwendet werden. Dashcams, das sind diese kleinen Kameras auf dem Armaturenbrett des Autos, deren Bilder im russischen Fernsehen längst zur besten Sendezeit über die Bildschirme flimmern. Unfälle, überfahrene Fußgänger, sich überschlagende Autos, der Meteoriten-Einschlag vor ein paar Jahren in Russland … Alles da. Und um den Sendebereich des russischen Staatsfernsehen auszuweiten sind heute keine Kriege mehr nötig.

Es reicht ein Handy, um zu senden und zu empfangen.

Mit dem Urteil mutieren Autos endlich zu Übertragungswagen, die jederzeit ihre Umwelt scannen und dokumentieren. Stieg man bisher ins Auto ein, war ja Schluss mit dem Selfie-Film, es sei denn man gehörte zu den Trendsettern, die bereits die Selfie-Drohnen verwendeten.

Allerdings schafften die kein Tempo 180 auf der Autobahn. Jetzt also endlich Dash-Cams mit Crash-Test-Zertifikat und „Gerichts-Tauglich“-Stempel.

Profis nutzen ja längst zwei Dash-Cams: Eine die den Verkehr nach vorne aufnimmt, die andere nach hinten raus. Voll-Profs haben längst die Rückfahrkamera im Auto modifiziert. Bisher zeigte sie ja nur in bestimmten Situationen ein Bild. Muss aber nicht sein, hehehehe.

Das unglückliche ist, dass Datenschützer (an kleinen Aufklebern auf den Linsen ihrer Handys und Laptops leicht erkennbar) die neue europäische Datenschutzverordnung durchsetzen konnten. Nach der ist jetzt irgendwie vermutlich eigentlich wahrscheinlich das Filmen eines jeden immer verboten. Oder so. Ganz klar ist das nicht, nicht einmal der Hut-Bürger konnte für Klarheit sorgen.

Hilfreich sind jedenfalls Magnetschilder auf Motorhaube und Heckklappe: „Dieser Bereich wird Kamera überwacht.“ Wer nicht darauf sein will, springt rechtzeitigt zur Seite.

Damit ist auch die linke Spur der Autobahn wieder frei.

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