Was Münchens Rolltreppen mit dem Seehoferschen Grenzschutz und Aberglauben zu tun hat

In Bayern ist ja vieles anders als im Rest der Welt. Zum Beispiel gibt es nur in Bayern diese Polizeitruppe, die an den Grenzen Flüchtlinge abfangen soll.
Das ist wirklich interessant, denn an sich ist das die Arbeit der dort bereits stationierten Bundespolizei, die bis vor Kurzem noch „Grenzschutz“ hieß – vermutlich allein um den Bayern klar zu machen, was diese Truppe so den ganzen Tag tut. Kaum heißen sie anders, geht schon der Kuddelmuddel los.


Interessant ist das auch, weil es an der Grenze kaum noch Flüchtlinge gibt. Ganze vier hat die 500 Mann starke Truppe aufgegriffen, also quasi je 125 Mann einen. Der wird sich gefürchtet haben als er vor diesen Polizistenmengen eingekastelt wurde: „Boahh. Müssen die reich sein, die Deutschen, 125 Polizisten nur für mich. Booaaah, ey.“.
Das Ergebnis überrascht den Kenner nicht:. Das hätten dem Seehofer, Horst die Anwohner der Grenzregionen sagen können, die Bundespolizei, die dort richtiger Weise Dienst tut, und überhaupt alle. Aber es war Horstis fixe Idee, diese Truppe zu installieren.
Aus einer fixen Idee werden Fakten, wenn der Idee Taten folgen. Etwa eben die Polizisten dort hinzuschicken. Dann stehen die da, müssen was tun, die Chefs rechtfertigen sich, weisen also Erfolge vor. Das ist der Grund weitere 100 Beamte dort hin zu beordern.
Immerhin kann nun daraus eine Aufgabe für Grundschüler werden:
„Wenn 500 Beamte in vier Wochen vier Flüchtlinge aufgreifen, wieviel Flüchtlinge werden dann von 600 Beamten in 8 Wochen aufgegriffen?“
In den höheren Klassen mit Schwerpunkt Betriebswirtschaft wird noch der Kosten-Aspekt hinzugefügt, in den linken Kultusministerien die Zusatzfrage aufgeworfen, wieviel Flüchtlingsheime man von den Polizei-Kosten bezahlt werden könnten.
Der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick beschrieb in seinem Buch „Wie wirklich ist die Wirklichkeit?“ das Phänomen des in die Hände klatschenden Elefantenvertreibers, die seiner Meinung nach in den Kirschbäumen der Umgebung säßen. Als der Klatscher darauf hingewiesen wird, dass in den Bäumen gar keine Elefanten säßen, antwortet er „Siehste? Das Klatschen wirkt.“
Die Beamten an der Grenze können einem da schon Leid tun: Erstens haben sie nix zu tun, dann müssen sie, finden sie doch einen verirrten durch das bayerische Unterholz huschenden Flüchtling, die Bundespolizei-Kollegen rufen, da die Bayern gar keine Kompetenzen haben, die hat ja die Bundespolizei, vulgo Grenzschutz. Immerhin sind in der Grenzregion die Wohnungen billiger, als in München.
In München, was auch in Bayern liegt, ist auch alles Mögliche anders als im Rest der deutschen Welt. In der Ubahn (und nur in der Ubahn, die gehören nämlich der MVG, die die U-Bahnen betreibt. Die S-Bahnstationen gehören dagegen der MVG und dem MVV, in dem nun wiederum die Deutsche Bahn mit drin hängt. Die findet diese Rolltreppen wohl doof und will sie nicht an den S-Bahnhöfen) gibt es diese gegenläufigen Rolltreppen: Sie fahren bei Bedarf auf- oder abwärts.
Bedarf wird durch Betreten der Fläche vor der Rolltreppe angemeldet. Wer zuerst tritt, fährt. Das führt öfter zu Diskussionen und Wartezeiten, weil die jungen Sportler lieber runterfahren, als die alten Rollator-Fahrer raufahren zu lassen. Allerdings sieht man oft die unten Stehenden von oben erst, wen man eh schon auf jene Fläche stieg, die einem das Vorrecht der Fahrt einräumt.
So fährt man fröhlich lächelnd auf den mürrisch guckenden Senior zu, der da schone ne ganze Weile steht, aber gar nicht so viel Zeit hat, wie man denkt, weil seine eigene Beerdigung ja doch mit große Schritten um nicht zu sagen mit der Rolltreppe auf ihn zu kommt.
Derweil ist hinten der der nächste junge Mensch auf die Rolltreppe gesprungen, weil die ja eh nach unten fährt. Vorbei am mürrische guckenden Senior.
Das ist schon wirklich schwer zu durchschauen mit dem auf und ab fahren. Erschwert wird das durch Säulen, die oft lins von der Rolltreppen stehen.


Auf ihnen sind die Notbremse angebracht und zwei kreisförmige Lampen, die die momentane Fahrtrichtung anzeigen. Blauer Pfeil und rotes Warndreieck. Viele sehen in dem Lämpchen weniger eine Anzeige, ob es auf- oder abwärts geht (das merken ja viele Menschen ohnehin, wenn sie auf das Förderband steigen. Geht’s aufwärts, oder steht man gleich wieder da, wo man aufgestiegen ist?).
Sie halten das Lämpchen für einen Schalter, mit dem man die Fahrtrichtung wechseln, und etwa den Runterrollenden wieder raufschicken kann, und sich selbst gleich hinter her. Also drücken sie. Feste.
Hilft aber nur, wenn es eh gerade passt, und sie zum Drücken auf jene Fläche steigen, also zwei unabhängige Handlungen miteinander verknüpft werden. So entsteht Aberglaube.
Das hat in Bayern Tradition. Früher schon, heute noch mehr, wie man an den Grenzen sieht. Dort stehen in die Hände klatschende Polizisten, die Flüchtlinge vertreiben.

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