Kiitos für die Hausaufgaben

Das Problem sah ich bereits vor Jahren, genau genommen kurz nach der Geburt, auf mich zu kommen. Die Hausaufgaben. Klar sagen heute die Pädagogen zu Recht, ein Kind müsse vor allem in der Grundschule in der Lage sein, die Hausaufgaben alleine zu schaffen. Eltern sollten nix verbessern, damit auch die staatlich geprüfte Lehrkraft sieht, auf welchem Niveau das Kinde so agiert, und ggf. die Eltern in der Sprechstunde (so sie denn kommen) rund machen kann, weil das Kind das nicht kann, was es von alleine können sollte.

Soweit die Theorie.

In der Praxis schlät man ja doch mal das Hausaufgabenheft auf und die Hände über dem Kopf zusammen, wo ein merkwürdiges Gekrakel zu finden ist, das einen immerhin ahnen lässt, was diese Worte bedeuten und ein erfahrener Vater daraus sogar ableiten kann, was die Hausaufgaben sein könnten. Dann schaut Vattern noch ins Rechenheft, oder mutigerweise sogar ins Deutschheft und findet derlei Wortkunst erneut.

Also sage ich väterlich freundlich und bestimmt: „Du, mein einzig Kind, Du sollst es mal besser haben als Dein Vater, deshalb sage ich Dir: ‚Haus‘ schreibt man groß, und ‚ferkaufen‘ mit ‚v‘ statt mit ‚f‘.“ Die Folge ist eine mittlere Krise, die Vattern aber bereit ist durchzustehen. Denn diese Krise ist übersichtlich.

Aber morgen geht es um Worte wie bettreif (groß oder klein?), oder ‚das‘, ‚dass‘ und ‚daß‘. Oder Rhythmus (naja, das ist inzwischen klar, oder wird es nach der Rechtschreibreform anders geschrieben?) oder die Schneeeule oder den Flanelllappen. Oder die vielen anderen Wörter, die nur dazu dienen, den Unterricht interessanter zu gestalten. Das Komma! Ich jedenfalls hab noch nie ‚Flanelllappen‘ schreiben müssen oder wollen, schon gar nicht in einem durch ein Komma abgetrennten Nebensatz.

Nur im Übungsheft für die Diktate der vierten Klasse, da kommen solche Wörter vor. Und entscheiden – einmal irgendwie aus Tarzanstochter waghalsiger Feder geflossen – über ihre schulische Laufbahn, über ihr Leben gar.

Sitzen wir dann abends gesellig zusammen und blättern fröhlich in den Diktatheften oder Hausaufgaben, stutze ich immer öfter. Schreibt man das so? Erst kommen vorsichtige Hinweise von mir, verbunden mit zaghaften Anfragen bei Tarzanstochter-Mutter „…. schreibt man doch so?“ Diese überlegt ihrerseits, bringt eine weitere Variante ins Spiel, und geht doch zurück auf die erst genannte (oder Erstgenannte? Oder erst Genannte?). Das geht so hin und her, bis ich den Computer anwerfe, das Wort bei Word eingeben, und gucke, ob es unterringelt wird. Dann tausche ich solange Buchstaben aus und ein, bis der Ringel verschwindet. Das ist langfristig allerdings kaum eine Alternative. Im finnischen, lese ich, gibt’s im Grunde nur zwei Regeln. Alles wird gesprochen wie geschrieben (oder andersrum), und geschrieben wirds wie gesprochen. Deshalb kann der Finne unser ‚x‘ durch ‚ks‘ ersetzen, weil man das ‚x‘ eben ‚ks‘ spricht. Vielleicht kommen die Finnen auf solche Idee, weil sie mehr Zeit mit Iglubauen und Rentier-Jagd verbringen wollen, als mit der Rechtschreibung. Mir ist auch ehrlich gesagt kein finnischer Autor bekannt, der umfangreiche Werke wie Karl May vollbracht hätte, oder Thomas Mann. Die beiden mussten ja auch nicht in Felle gewandet am Schreibtisch sitzen.

Das lob ich mir. Die haben nen Plan, die Finnen! „Kiitos“ möchte ich da gleich rufen (für des Finnischen nicht Mächtige: „Danke!“)!

Zumal ja nun auch Mathe dazu kommt. Das kleine Einmaleins ist für das durchschnittliche Hirn noch erlernbar, wobei das Siebener- und Achter-Einmaleins schon seine Tücken hat. Komischerweise scheitern Tarzanstochter und Tarzan gerne bei den Siebener und Achter-Schritten (7 x 8 = na? und 7 x 6= na? und so). Inzwischen kommen komplexe Subtraktionen und Multiplikationen hin zu, dabei geht’s bei der einfachen Multiplikation schon bunt zu:

„Tarzanstochter, wieviel ist 5 x 4 ?“
„27, Vater!“
„Tarzanstochter! 5 x 4?? Ist nicht 27!“
„Achsoooo, 5 x 4“ (als hätte Tarzanstochter statt fünfmalvier dreimalneun verstanden) „Das ist 23!“
„KIND! 5 x 4 ! Was ist das???“
Kleinlaut: „20“.

Noch bin ich unumstrittener Herr der Lage. Auch wenn ich zur Not kurz das Handy zur Hilfe nehme, und wirklich großen Zahlen von einander abziehe. Nun kommen aber bereits immer komplexere Rechnungen auf mich zu, Dreiecks-Rechnungen, Multiplikationen, die anders gerechnet werden als wir und unsere Väter und Vätersväter gelernt haben.

Ich berate dieses Problem mit einigen anderen Vätern, wobei sich einer als Physik- und Mathelehrer für das Gymnasium entpuppt. Mich vor ihm als Matheloser zu outen ist eine geringere Schmach, als vor Tarzanstochter wie der Depp dazustehen.

Wir treffen uns nun alle zwei Tage in Pilspub unten im Haus um die Hausaufgaben der Kinder durchzuarbeiten.

2 Gedanken zu „Kiitos für die Hausaufgaben

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s