Mein Leben als Zauberer II

Bei J. entschuldige ich mich schon mal. Ich finde das gehört sich so, wenn man ihm eine Woche Urlaub versaut. Und ich glaube, das habe ich getan.

J. erzählte mir kürzlich, als wir in einem „fishy“ Etablissement waren – das fishy stammte von der Frau es dritten Mitrinkers. Ich finde es für Männer nicht so ungewöhnlich sich in einer Hotelbar zu treffen. Zumal in es in erster Linie ein Erkundungsbesuch sein sollte. Ich wollte wissen, ob sich dort gelangweilte Messebesucher tummelten, die, gierig auf ein bisschen, bloß ein bisschen Abwechslung, einem Tischzauberer zujubeln würden.

Die Ehefrau des dritten Mit-Trinkers sah offenbar vor allem bulgarische Prostituierte an der düsteren Hotelbar (die es dort nicht einmal gab; heute gibt es dämmerige Lounges mit Kaminfeuer auf dem großen Flachbildschirm).

Ahja, sie, also es, also das herumsitzende potenzielle Publikum in dieser Hotelbar –  will nicht unterhalten werden. In den ersten Stunden sitzen sich Spaß antrinkenden Menschen herum, die offenbar noch weggehen werden, die hinteren Stunden der Nacht füllen Menschen, die offenbar schon unterwegs waren und nun den Absacker oder ihre Beute bettreif trinken.

Nach dem, was sich da so an der Bar tummelte, ist das bettreif trinken sogar für beide Beteiligte eine denkbare Variante. Möglicherweise waren es aber auch einfach Pärchen, die sich nach einem kulturell anspruchsvollen Abend des Staub des Theaters aus der Kehle spülen wollten.

Aber es ging ja urspünglich um ganz etwas anderes – nämlich J. versaute Urlaubswoche.

J. nun also erzählte an diesem Abend, dass seine Tochter, nochmal zwei Jahre jünger als Tarzanstochter, in den langenlangen Sommerferien untergebracht werden müsse. Daher las er das Ferienprogramm durch, und stieß unter anderem auf einen Woche Reiterferien (oder so; jedenfalls was mit Pferd). Er schlugs dem Kindelein vor, das auch angemessen angetan war von dieser Idee.

Nur der formhalber las J. noch vor, dass es auch eine Woche Jonglage und Zauberei gebe. Und das fand Töchterchen nun auf einmal und vollkommen überraschend GANZ TOLL! Und zwar, weil ich das arme Mädchen (und seine Mutter, die den Sohn abholten, der wiederum mit Tarzanstochter gemeinsam Fußball spielte. Nicht das da irgendwie irgendwer denkt bei den Sportfreunden stünden Kinder alleine in der Gegend rum. An Weihnachten!) traf, als es vor ungefähr drei oder vier Jahren zur Weihnachtsfeier (überall standen kleinen Schälchen mit Süßkram aller Art herum) weinend im Vereinsheim der Sportfreunde stand. Das dauert mich so, dass ich mich genötigt sah, dem armen Kinde aus dem Ohr ein Stück der ohnehin herumliegenden Schokolade zu zaubern. Das tat seine Wirkung.

 Nicht nur damals. Nein, diese Episode, diese winzige, verleitete das arme Mädchen nun dazu auf eine Woche Reiterferien zu verzichten, um Jonglage und Zauberei zu lernen. Wobei Zauberei in diesem Falle vermutlich bedeutet beliebige Mengen Schokolade aus den Ohren von Kindern ziehen zu können. J. wird echt Spaß haben in dieser einen Woche, sicher schon nach zwei Stunden, wenn das Kinde merkt, das bunte Bälle in die Luft werfen was anderes ist als Schokolade aus dem Ohr ziehen.

Dafür entschuldige ich mich schon mal, auch vorsorglich bei allen anderen Eltern, deren Kindern ich möglicherweise Flausen in den Kopf gesetzt habe ohne es zu wissen, und schon gar nicht zu wollen.

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