Wo es laufen sollte, tröpfelt es …

Neulich zeigt mir die Kaffeemaschine, – einer modernen Kristallkugel gleich – was uns alle im Alter erwartet: Wo es rauslaufen sollte, tröpfelte es, hinten war es nicht dicht, sondern lief es raus.

Nun bin ich der Maschine gegenüber ja bereits … nun … kritisch eingestellt: Immerhin versprach sie glänzend nie dagewesene Vielfalt und Genuss.  Bald aber schon war Tarzanstochtermutter der Meinung, die Maschinen aller Freunde produziere stets besseren Cappucino mit schmackhafterem Milchschaum und hübscheren Farbschichten im Glas (das wir gar nicht als Trinkbehälter nutzen).

Noch dazu stellte sich die Maschine in eine Reihe mit meinem Chef und Tarzanstochtermutter. Sie erteilte mir Anweisungen, stets verbunden mit der unausgesprochenen Drohung bei Nicht-Beachtung den Dienst zu versagen: „Kaffeebehälter entleeren!“ brüllt sie mir im Display entgegen, „Entkalken!“ oder „Wasser nachfüllen!!“

Das macht sie besonders gerne wenn Besuch da ist, und mann ohnehin schon damit beschäftigt ist abzufragen, welchen Kaffeewunsch die Gäste hegen, sich diesen bis in die Küche zu merken, schnell im Handbuch nachzuschlagen, wie man diesen oder jenen Cappu mit doppeltem Milchschaum, aber weniger Koffein hinbekommt: In solchen Situationen ruft die Maschine schnell freudig: „Entkalken!“.

Zwischendrin kreischt sie, dass die Hörgeräte klingen, das kommt wenn nicht genügend Bohnen im mühsam eingestellten Mahlwerk liegen. Dafür gibt’s keine Warnung, da kommt gleich die Strafe.

Dann Becher raustragen in den Gastraum, immer einen nach dem anderen. Ist der letzte draußen, mit dem ersten wieder anfangen – der ist dann inzwischen leer. Immerhin sind die Tassen vorgewärmt auf dieser Heizplatte, die als erstes angeworfen wird und die Tassenböden auf eine angenehme Auftrefftemperatur bringt. Immerhin, dann hats der Kaffee gut, der hat sicher auch eine Seele, verschlechtert allerdings die Energiebilanz enorm.

In solchen Momenten erinnere ich mich an die gute, alte Zeit: Mein Vater goss Kaffee im Filter auf, nach einem speziellen Ritual, zählte die Löffel Kaffeepulver ab,  da gabs nur eine übersichtliche Auswahl, Melitta ist mir geblieben, nach dem letzten Löffel folgt mit dem Satz:  „Einen extra für die Kanne!“ eben dieser. Zuvor goss er erst einen Schwung heisses Wasser in die Kanne, spülte sie aus und wärmte sie vor, er wusste schon von der empfindsamen Kaffeeseele, die eine warme Kanne wünscht.

Einen Schuss Wasser in den Filter, damit der Kaffee quellen konnte. Nachschenken, bis die Kanne voll war. Die kam unter einer Art Bischofsmütze auf den Tisch, wer wollte bekam warmen Kaffee. War die Kanne leer, war das Frühstück zu Ende. Fertig.

Aber heute tröpfelt sie, die Wahnsinns-Maschine. In Zeiten des Internet kann das kein Problem sein. Jeder kann seine Symptome im Internet googlen, das führt zwar schnell in die Selbstmordforen, aber bitte. Die Maschine geht mir mit ihrer Energiebilanz und ihren Befehlen ohnehin auf den Geist. Dennoch: Das Gerät war teuer, da will auch erstmal versuchen sie zu reparieren, bevor man sie verschrottet.

Ich begann zu entdecken, dass es für den Barista von heute gut sortierte Kaffeemaschinen-Reparatur-Anleitungsseiten gibt. Da verkünden Menschen sogar freimütig, das ihre Maschinen völlig verschimmelt sind (gottseidank ohne Foto), oder andere erklären, dass schon nach der 10376 Tasse Probleme gibt. Die Ratschläge des Fachpersonal reichen dann von Netzkabelziehen bis zu detaillierten Anleitungen, die mich ratlos zurück lassen. Völlig ratlos. Denn einerseits ist nie die Rede von meiner Maschine, die sogar ein „Perfecta“ im Namen trägt.

Naja es ist schon die Rede davon, aber mit anderen Problemen, die ich erst noch kennenlernen darf.

Ich finde zahllose Tipps, die mir wie Erklärungen zur Reparatur der Apollo-xx Mission erscheinen, und – großes Wunder – die offenbar von anderen Menschen befolgt und verstanden werden. Größtes Mysterium. Und sie wissen, wie viele Tassen sie schon gebraut haben. Zählen die mit? Jeden Morgen?

Ich jedenfalls werde kaum schlauer, bis ich es doch schaffen die Schrauben zu lösen und die Tür aufzuhebeln.

Und was erwartete mich? Was?

Nun, als technischer Halblaie erwartete ich ja ein Gewirr aus Schläuchen und Verbindungen, aus Kabeln und Anzeigen, also all das was man in einem Computer – denn das ist eine Maschine wie diese ja, die mir halb sinnvolle Befehle erteilt, die ich sogar meist befolge (Kaffeebehälter leeren!, Entkalken! Prontopronto!) – so erwarten kann.

Aber was erwartete mich im Innenleben der Tür??? Was?

Richtig. Praktisch nix.

Aus einer klappbaren Tülle fließt der Kaffee offenbar über eine Plastikfläche zu diesen Löchern, die auf der anderen, hübschen Seite wie futuristische Düsen aussehen. Auf dieser Strecke lagert sich wohl immer ein bisschen Kaffee ab, der den Weg nach vorne unten verstopft. Das ist alles, scheint mir, dem Tröpfelchen wird mit einer alten Zahnbürste der Garaus gemacht.

Kaum ist alles geputzt und zusammengebaut befiehlt die Maschine „ Entkalken!“;  dann erst kann ich testen: Was soll ich sagen?

Es kommt wieder Kaffee, und vorne fließts, hinten tröpfelt es. Wie mann es sich wünscht.

Die Bischofsmütze hab ich übrigens noch im Keller, den Filter schon nachgekauft. Ein Pfund Kaffee kostet weniger als so ne Tüte ungemahlene Bohnen. Ich muss nur einmal Kaffee kochen, dann kommt die Kanne auf den Tisch, jeder kann sich nehmen. Diesen Kaffee gern mit Milch und Zucker.
Keine Maschine macht Lärm, erteilt Befehle, niemand rennt ständig die Küche, in der die Maschine nun noch recht kleidsam das Loch zwischen Kühlschrank und Ecke füllt. Wunderbar.

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