Mein Leben ohne Makler

Ich hatte es ja bereits erwähnt. Ich versuche ein Haus ohne Makler zu veräußern. Also ohne die Hilfe eines Maklers, dass das Haus ohne Makler ist, wie es übrigens ohne Garage ist, versteht sich ja von selbst. Oder würdest Du ein Haus kaufen, in dem bereits ein Makler lebt, sagen wir im ersten Keller (der hat nämlich Heizung)? Oder unter dem Dach? Nein!

Und wie das so ist, wenn man was  allein macht, fällt einem erst auf, das was fehlt, wenn es jemand will. In diesem Fall wollte der Chinese den Preis drücken, in dem er die Grundstücksgröße bezweifelte, und vorgab, Bank und Anwalt (hoHO!) würden dafür weniger zahlen. Die Erbengemeinschaft ließ sich davon nicht beindrucken, weil die Erbengemeinschaft das Haus nicht nach Meter verkauft, sondern als umfängliches Objekt (ohne Makler – aber auch ohne Garage).

Aber: Unterlagen sind nicht schlecht, also schnell zum Grundbuchamt. Die Website des Vorortes in dem das Haus steht verzeichnet die Stadt als Verwalterin, nennt Adresse und Öffnungszeiten des Grundbuchamtes. ‚Huii, nicht weit von der Arbeitsstelle!‘ denke ich, fahre da ma eben hin und hole, was es zu holen gibt.

Kaum steh ich dort vor der Tür erklärt mir der Pförtner, dass ich hier schon richtig bin – aber nicht jetzt. Weil sie eben andere Öffnungszeiten haben. Ich möge morgen wieder kommen. Es war nämlich Nachmittag, da haben die schon langelange zu.

Ich versuche es am nächsten Tag vorsichtshalber erst per Telefon, und komme zu meinem Erstaunen auch gleich durch. Allerdings zählt mir der Mann am Rohr (ich glaueb es war wieder der Pförtner) nur die Öffnungszeiten auf, sagt, dass es per Telefon gar nix gibt, und rät zum persönlichen Besuch oder dem „Brief“ (Was ist das?)

Morgen (inzwischen schon neulich) fahre ich also wieder hin, lasse die ausgiebige Kontrolle im Eingang über mich ergehen, versuche den Nummern-Automaten zu verstehen, wobei mir ein anderer armer Bürger hilft.

Mit dem Zettelchen in der Hand schaue ich mich um. Ein Tisch, ein paar einfache Stühle, Ein Regal mit tollen Broschüren der Bayerischen Staatsregierung, ein paar Malstifte für Kinder (Kinder????). Eher trostlos. Wir armen Bürger sitzen schweigend in der Wartezone, und die gespannte, fast schön nervöse Ruhe wird nur ab und an vom dem gongen des Nummer-Weiterzählers unterbrochen. Der andere Bürger ist Gottseidank vor mir dran, das hilft mir, als ich dran bin und er mir schon die verwinkelten Wege zeigen kann, die mich in Zimmer E72 führen. Ich möchte nämlich nicht so zur Minna gemacht werden, wie der Mann vor mir in Zimmer E72, der wohl nicht genau wusste was er brauchte, was ihn der Sachbearbeiter mehrfach deutlich und fast schon laut wissen ließ.

Ich legte demütig mein Anliegen offen, nämlich Grundbuchauszüge zu bekommen. Erstaunlich schnell bekam ich sie auch, musste erst nochmal raus, vorne am Eingang wiederum zahlen, dann wieder in Zimmer E72 rein, ohne Nummer ziehen, (Einfach so, das sind schon Typen, diese Verwalter. Einfach in ein Zimmer rein, ohne Nummer!), Auszüge holen. Diesmal bekomme ich sie von der Dame am anderen Schreibtisch. Ich bitte untertänigst darum gleich reinschauen zu dürfen, weil ich doch keine Ahnung von irgendetwas habe, und bittebitte  – sie gewährt diese Bitte mit einer fahrigen Bewegung des Armes.

Ich schaue also nach der Grundstücksgröße, die aber nicht verzeichnet ist. „Natürlich!“ sagt die Frau und zeigt auf einen Zahl: Diese aber umfasst das gesamte Grundstück, auf der vier Häuser stehen. Ich möchte nur wissen wie groß das Grundstück meines Hauses ist.

Sie: „Da fragen Sie ihre Hausverwaltung!“
Ich: „ Da ist keine Hausverwaltung, die regeln da alles so.“
„Die müssen eine Hausverwaltung haben. Nach dem Wohneigentümer-Dingsbums-Gesetz haben die ne Hausverwaltung. Fragen Sie mal die.“
„Die haben keine Hausverwaltung.“, beharre ich dümmlicherweise. Ich verbessere mich aber schnell. Die Frau wird nämlich langsam schriller. „Ich frage mal nach der Hausverwaltung“ sage ich und mach eine kleinen Kunstpause, „aber… wenn die keine haben?“

„ Dann müssen Sie in Zimmer E73 … DIE MÜSSEN EINE HAUSVERWALTUNG HABEN!“
Sie sagt mir dann doch noch, wo ich die Teilungserklärung bekomme (Zimmer E73).

Diese Abteilung aber ist nicht digitalisiert. Daher muss ich dort (handkopierter, handausgeschnittener Zettel mit  Öffnungszeiten wird rüber geschoben) anrufen, das Blatt bestellen, dann drei Tage später abholen kommen. „ Aber!“, warnt sie die nette Schrille, „aber da brauchen Sie schon Geduld. Die gehen nur an Telefon wenn sie keine Besuch haben.“

Ich nehm mir einen Tag frei, stelle mir Tee nebens Telefon und stelle mich auf einen langenlangen Vormittag ein.

Ich komme sofort durch. Darauf war ich nicht vorbereitet. Der Mann fragt nämlich nach der Flurnummer. Der Nummer, die ich mir noch zurecht legen wollte. WOLLTE! Also stottere ich herum, das ich die Adresse wüsste.
„Das ist schlecht. Am Ende sucht die Maschine Stundenlang, und dann ist es falsch.Wie ist der Name?“
Zerknirscht buchstabiere ich ihn, nciht wissend, ober nun ins schwarze Merkbuch kommt, oder er beim Suchen  hilft. Ich biete ihm noch an, die Flurnummer aus einem Mail abzulesen, das dauere nur einen Moment (und sicher weniger als die Stunden, die er mir androht). Da sagt er schon die richtigen Adresse, und. „KönnSemontagabholen!“

Montag also gehts weiter mit quengelnden Chinesen, lustigen Behörden und einem Haus ohne Makler und Garage.

 

4 Gedanken zu „Mein Leben ohne Makler

  1. Dann verkaufst Du ja gar kein Haus, sondern ein Miteigentumsanteil an einem Grundstück verbunden mit dem Sondereigentum an einem Haus, aber ohne Sondereigentum an einer Garage oder einem Makler. Kein Wunder, dass der Kinäse verwirrt ist, wenn Du Dich so undeutlich ausdrückst.

    • Also wir Erben behaupten wir würden ein Haus verkaufen, das auf nem Grundstück steht. Aber was Du schreibst klingt nachvollziehbar. Evtl sollte ich die entprechende Anzeigen mal modifizieren…

      • …ohne Klarheit in der Sprache ist der Mensch nur ein Gartenzwerg.
        Einen Gummipunkt, wenn Du die Zeile kennst 😉

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