„Grundgeräusch gibts immer“

Im Nachhinein muss ich sagen: Es war eine Sternstunde!

Wir suchten damals die Wohnung. Es erschien bereits damals hart und aussichtlos eine Wohnung zu bekommen, ohne an einen Makler einen fette Provision abdrücken zu müssen.

Wir hatten damals eine Dachterrassen-Wohnung im Auge, und waren am Sonntag Nachmittag aufgebrochen, sie anzusehen. Wie sie innen aussah, weiß ich nicht mehr. Auf alle Fälle lag sie in einerm Art Straßendreieck im Süden der Stadt. Auf der einen Seite begann die Autobahn in den Süden. Auf der anderen Seite eine zwar nur zweispurige Straße, die aber doch recht befahren ist. Eine dritte Seite wurde durch den Stadtautobahnring gebildet, der ist ungefähr sechs bis achtspurig dort.

Wir standen also am Sonntag Nachmittag auf dem Dach, um uns herum tobte der Verkehr. „Ein bisschen Laut ists schon“, wagte ich zu sagen. Der Makler tat es mit einem „Grundgeräusch gibt’s immer!“ ab.

Damals war ich etwas verblüfft.

Heute finde ich das großartig, diese Interpretation, diese innere Überzeugung, dass auch diese Wohnung wert ist gekauft zu werden. Toll!

Wir drückten damals einem anderen Makler ne Menge Geld in die Hand, dafür dass er den Verkäufer systematisch von uns abschottete („Hätten Sie mich mal angerufen, ich hätte Sie gerne früher kennen gelernt!“, sagte dieser dann beim Notar), Fragen zur Wohnung gar nicht recht beantworten konnte, und noch dazu einen goldenen Mercedes fuhr, ich glaube es war ein 380 SL. In! Gold!

Immerhin schickte er bisher jedes Jahr eine Weihnachtskarte.

Ich hoffte, nichts mehr mit Maklern zu tun haben zu müssen.

Und passiert jetzt es wieder.

Heute bin ich in der eigenartigen Lage, eine Immobilie los werden zu wollen/müssen/können, und gleichzeitig eine andere zu suchen.

Die eine Immobilie ist ein Reihenmittelhäuschen in der Vorstadt. Vom Erlös bzw dem, was für mich als dritten Erben bleibt, wollen wir uns eine Wohnung in der Stadt kaufen.

Der eine Akt soll ohne Makler von statten gehen, weil wir Erben der Meinung sind,

  • dass irgendwie so ummarumma XX000 Euro Provision durch ein mehrfaches Zeigen eines Hauses nicht verdient sind.
  • dass das Geld für eine Küche besser angelegt ist.
  • und dass es schlicht ne Sauerei ist, sone Summe irgendwo zwischen Käufer und Verkäufer einzuschieben, um sie dann einzuschieben.

Nun; aus diesen Gründen habe ich diese Immobilie persönlich in den Immscout reingetan: „Provisionsfrei“, hab ich drüber geschrieben, geradezu Sekunden später kommen die ersten Mails: „WIR als Maklerbüro mit jahrelanger Erfahrung…“, „ICH darf mich Ihnen kurz vorstellen …“ „So ein schönes Haus, das würde sich in unserem Portfolio gut…“ „Höchstpreise!“ rufen die Makler, „143 Interessenten in der Kartei!“.

Ich ignoriere diese Angebote, denn ich will ja ein Haus verkaufen, so steht es in der Anzeige, und die Makler wollen ein Haus weitervermitteln. Das ist was anderes.

Dem ersten hab ich noch geschrieben, dass da wohl ein Missverständnis vorliegt. Er hat nicht geantwortet. Als ich merkte, dass es zu viele sind, hörte ich schnell damit auf.

Das war auch ein Fehler, denn nach ungefähr zwölf Tagen kann das erste Erinnerungsmail: „Wie ich Ihnen bereits am … mitgeteilt habe, wollen wir Ihr Haus verkaufen…“ Ab und an kommen jetzt große Briefumschläge ins Haus, mit Schokolade und wirklich und offensichtlich selbstgestalteten Mappen: „Höchstpreise!“ rufen auch diese Mappen, und gleichzeitig beweisen sie, dass die vielenvielen Millionen aus den Provisionen irgendwo gelandet sind, aber nicht in der Gestaltung.

Das alleine ist schade.

Ab und an ruft jemand – vor allem Frauen mit herrlich seidigen Stimmen und exotischen Namen – an, die frühestens im dritten oder vierten Satz zu erkennen gibt, dass sie „…im Auftrag eines Kunden…“ anrufe. Man merkt ihnen ihren Beruf schon daran an, dass sie  versuchen in einem einzigen Satz drei oder vier Mal meinen Namen einzuflechten – als hätte ich vergessen, wie ich heiße. Anfangs versuche ich noch zu erklären, mal schlicht („Wir verkaufen nur an Endkunden!“), mal blasiert („Das ist nicht im Sinne der Verstorbenen!“), mal hysterisch („ahagrrllllnnnneeiiiinnnnn!“) Später ignorire ich alles was nicht nach junger Familie ausguckt.

Eine versuche ich dran zu kriegen, wie das den laufen solle mit der Weitervermittlung, wo ich doch „Provisionsfrei“ geschrieben habe. Aber das erklärt sie schnell: Erst möchte der Chef sich das Haus ansehen, dann soll ich nochmal und nochmal und nochmal mit dem Chef und dem Kunden hin, und dann schlägt der Makler seine Provision auf den Kaufpreis auf. Logo. Freundlicherweise würde der Chef das Exposè nutzen, das wir bereits angefertigt haben. Achja, und den Energieausweis, das wäre nett. Danke.)

Gelichzeitig suchen wir eine Wohnung, und das scheint ohne Makler kaum zu gehen, in dieser Stadt. Also rufe ich die gleichen Makler wieder an, die ich vorher verschreckt habe; zur Sicherheit nutze ich den Namen meiner Freundin…

Aber das Ergebnis macht es nicht besser. Erst liest man die wundervollen Werke von Wohnungen, die so schön sind, so gut liegen, so unvergleichlich sein mögen, das man schier nicht mehr ohne sie leben wird können. An der Bahnlinie! Mit innen liegendem Esszimmer! Sogar mit Klo! 80 Quadratmeter, davon gefühlte 70 Flur. In einem ranzeligem Haus! Und auch hier wieder: „Höchstpreise!“

Dann ruft man doch mal an: Nach dem herummäklen (mäklen – Makler da gehört doch was zusammen?) an einem unverständlichen Papier mit Einwilligung in Aufhebung von Rechten und möglicherweise dann Zahlen von ungenannten Kosten („Ja, das stört viele und verstehen viele auch nicht, ist aber so vorgeschrieben, hahahaha.“) geht’s schon flugs um die Wohnung; ja die liegen in diesem Stadtteil, wo ich denn wohne? Ich sage es ihm kurz und möchte einen Termin vereinbaren. „Jaaaaa,“ sagt er, „wie groß ist denn Ihre jetzige Wohnung?“ „80 qm,“ sage ich und wann wir denn nun diese Wohnung ansehen können. „80 Quadratmeter?“ fragt er, und sie liegt gut? Ich ahne jetzt was er will, und werde allmählich ungehalten: „Wann wir DIESE Wohnung ansehen können?“ „Achso, ja, mittags wäre das Beste.“

Das machen Makler gerne.

Termine am Mittag. Dafür müssen aber Freundin und ich quasi beide ne Stunde (wenns reicht) freinehmen. Und das für jede Wohnung. Das ist nicht so gut, findet unser Chef. Der Makler stimmt doch einem Wochenend-Termin zu, und sagt erst wenige Stunden vor dem Termin wieder ab, seine Hostess sei krank, obs denn nicht doch am Mittag unter der Woche gehe? „Dann scheint die Sonne so schön in die Wohnung, das wirkt ganz anders. In Ihrer aktuellen Wohnung auch?“

Offenbar gibt es tolle Fortbildungen für Makler am Wochenende, denn irgendwie behaupten alle sie seien am „…Wochenende nicht in der Stadt.“ Also nicht genug mit dem Kassieren der Provision, nein, sie soll auch noch von Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr verdient sein. Bitte schön!

Die ersten Wohnungen haben wir nur von außen gesehen. Das hat vollkommen gereicht, um mal wieder ins Maklersprech zu kommen. Und uns auf eine langelange Suche einzustimmen. Montags von 9 bis 17 Uhr. Denn am Wochenende sind alle Makler außerhalb der Stadt. Da wos ruhig ist. Denn in der Stadt, da gibts immer Grundgeräusch.

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