Moderne Männer – getrieben vom Display

Wirt haben nun also ein anderes Auto. „Es ist schwarz und hat hinten Becherhalter!“, sagt Tarzanstochter. Tarzanstochtermutter, quasi auch Mutter des Wagens, schweigt und genießt. Ich freue mich über jede Menge Knöppe, die sogar alle funktionieren. Vor allem darüber, dass sich die Fahrerscheibe einfach rauf und runter fahren lässt.
Das war beim vorigen Auto nicht so. Runter ging, rauf war ne Kunst, die ich gut beherrschte, für die ich aber auch beide Hände brauchte (die Linke am Knopf, die andere musste die Scheibe beim Hochfahren nach vorne außen drücken. Das war schon ne Herausforderungen etwa an italienischen Mautstationen. Das Lenkrad hat inzwischen Tarzanstochtermutter übernommen.)

Ansonsten trage ich jetzt immer ein Sakko beim Autofahren. Mann weiss ja, was sich gehört.

Ein Nachhteil dieser modernen Fahrzeuge ist andererseits dieses Display, auf denen allerlei unnötigen Nachrichten vermittelt werden. Zuerst wollte ich das Auto in unserer Werkstatt mal durchgucken lassen (und ehrlich gesagt, mir erklären lassen, wie man die Motorhaube öffnet, Waschwasser einfüllt, Öl checkt und so Sachen. Du, lieber Leser, verstehst warum dieser Block anonym ist?!) Aber Chef fragte bloß:

„Muffelt die Klimaanlage?“
„Nein.“
„Dann können Sie wieder fahren!“
„Aber das Öl?!“
„Meldet das Auto selbst!“
Soweit sind wir schon gekommen. Nicht einmal mehr hier kann ich mich noch als Technik-Checkender Supermann beweisen, mal auf den Vergaser deuten, an den Zündkabel rumruckeln, den Luftfilter prüfen: Längst schon verkommen wir Männer zu Opfern unserer eigenen Innovation. Alle Maschinen, die wir ersinnen, dienen dazu die eigene Muskelkraft überflüssig zu machen. Der Schlagbohrer, der Akkuschrauber, Displays, die uns den Blick in den eigenen Motor verwehren. Dazu die Displays, die uns herumschicken wie die Schulbuben, wie kleine Jungs. ‚Akku laden‘, ‚Wassertank füllen‘, ‚Kaffeesatzbehälter leeren!‘. Kann alles längst jede Frau erledigen. Sie muss nur den Anweisungen auf dem Display folgen, und die handlichen, von Ingenieuren erdachten Maschinen in den zarten Händen führen.

Aber das nur nebenbei.

Auf alle Fälle steht da nun im Display: ‚Schaden vorne links, Werkstatt aufsuchen‘. Dazu leuchtet das Airbagzeichen.

Vermutlich ist beim Airbag die Luft raus.

Auf alle Fälle suche ich zwischen zwei Fahrten die Werkstatt meines Vertrauens auf, und weise den Chef daraufhin, dass das Auto nun was meldet. Dieser schließt allerlei Gerät an, und meldet seinerseits, dass er nichts zu melden hat, weil er einen Bosch-Ausleser hat, der schafft nur die Hälfte, ich müsse ne Werkstatt suchen, der den Sowieso-Ausleser nutze, die könnten die andere Hälfte lesen, vermutlich sei aber beim Airbag die Luft raus, fahren könne ich schon.

Also suche ich doch nach der Fachwerkstatt, die nun aber aus unerfindlichen Gründen alle in abseits gelegenen Industriegebieten residieren. Hin kommen is ja ok. Hab ja ein Navi. Aber zurück nach Hause kommen – ohne Auto? Und dann wieder hinkommen, Auto holen ohne Auto?

Ein Rumgeeiere, zumal ein paar Fahrten anstehen, die mir wenig Spielraum lassen. Der Zufall will es, das Tarzanstochter heute in den Indoorspielplatz will, praktisch direkt vor der einen Fachwerkstatt, flugs dort angerufen, verbunden worden DIREKT in die Werkstatt, aus der heraus, ein Herr mir erläutert, dass es mit dem Auslesen ja nicht getan sei, und nur weil meine Tochter neben an spiele, niemals die Zeit sei, mal eben („Überhaupt: Soll ich Sie da jetzt reinschieben???“) die Diagnose richtig zu stellen. Offenbar braucht es auch hier erstmal ne ordentliche Anamnese.

So.

Auf alle Fälle geht’s so auf alle Fälle nicht.
Aber vermutlich sei beim Airbag die Luft raus, ich solle so fahren als hätte ich gar keinen.

Das stellt mich vor Rätsel. Wie fährt man, als hätte man keinen Airbag? Erklärt das, warum so viele fahren, als hätten sie unzählige Airbags? Und andere so fahren als hätten sie nicht einmal ein Auto? Und wie fahre ich als defensiver, ruhiger, zurückgenommener Fahrer auf dem Weg in die vier Stunden entfernte große Stadt? Immer den Fuß auf dem Bremspedal? Doppelt so langsam wie sonst?

Solche Fragen stellte ich mir beim vorigen Auto nicht.

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