„Ethnisch homogener…“

Tarzanstochter wohnt in einer ganz normalen Gegend der Stadt. Schnell in der Stadtmitte, schnell auf der Autobahn gen Süden, schnell im großen Wald. Schnell in der Ubahn.

Dies ist keine versteckte Immobilien-Anzeige. Niemand denkt daran diese wundervolle, sonnige Wohnung in Bestlage zu verlassen. Niemand.

Direkt um uns herum stehen Häuser, die sind über 100 Jahre alt, Mietskasernen hätte man früher gesagt. Hinter uns zwei Blöcke, die wunderbare Innenhöfe umschließen. Der eine (Anarchisten-Hof) chaotisch, unkontrolliert: überall stehen Grills, hängt Wäsche, toben Kinder, jeder macht was er will. Dort wohnt Milena. Sie sagte neulich, jetzt sei Frühling, vermutlich sehe sie ihre Kinder bis Oktober nicht mehr. Sie sind immer im Hof.

Der andere Hof ist organisiert. Es gibt einen Hofrat, die Bewohner treffen sich regelmäßig und räumen den Hof durch. Zusammen. Danach gibt’s zentral beschaffte Leberkäs-Semmeln. Wenn der Hof wieder in Ordnung ist.

Wenige Meter weiter beginnen die Einfamilienhäuser. Da wird’s dann richtig teuer. Alleine vom Namen her.

Zwei Schulen sind hier: Die eine vor der Tür: Auf die geht Tarzanstochter. Vier Minuten zu Fuß. Mit dem Auto etwa 15 Minuten (hin zum Parkplatz, anschnallen, ausparken, hinfahren an der ersten Schulweghelferin langelange warten, am zweiten Schulweghelfer warten, aussteigen lassen, Parkplatz suchen. Wenn da 15 Minuten reichen…). Drei Züge je Klasse, 17 Kinder je Klasse. Man kennt sich, Schach in der zweiten Klasse. Dass es das noch gibt, heutzutage! möchte ich rufen. F.-Schule, so heißt sie.

Die andere Schule ist schon ein Stück weg, aber für viele eine echte Alternative, keine Ahnung warum: Sie ist riesig, Bayerns zweitgrößte Grundschule, vieleviele Züge je Jahrgang, alle knüppeldicke voll. Viele Eltern wollen ihre Kinder dort sehen.

Nicht zuletzt wohl weil neben Tarzanstochter Grundschule ein Jugendzentrum steht.

Vor dem stehen öfter mal krakeelende Kinder oder fast schon Jugendliche rum.

Schwarzhaarig.

Eieieieiei.

Polizei hab ich da noch nie gesehen.  Jetzt könnte man denken, die haben keinen Grund dahin zu fahren.

Naiv!

Es ist vielmehr schon so, dass sich die Polizei da überhaupt nicht mehr hin traut. Es sei denn in Kompaniestärke (heisst das bei der Polizei so?) Interessanterweise trauen sie sich das auch nur, wenn Hansa Rostock im ebenfalls naheliegenden Stadion spielt, oder Bayern II gegen ‘60 II. Ostermontag wieder.

Naja, Sepp aus dem Anarchisten-Hof jedenfalls hat gegen den öffentlichen Willen des Hofs seinen Sohn in diese naheliegende F-Schule geschickt. Der Wille des Hofes lautet nämlich: „Unbedingt eine andere Schule!“ Montessori, Steiner, die große Schule drüben. Alles bloß nicht die F-Schule. Neulich morgens sagte er, dass die Schule dies und das (ich hab vergessen um was genau es ging) ganz gut mache „… für eine Brennpunktschule.“

BRENNPUNKTSCHULE! Der kennt einen Brennpunkt bestenfalls aus der ARD.

Tarzanstochter auf alle Fälle hat es dort mit vielen Kinder zu tun, aus vielen Nationen, Schwarze und Weisse. Kinder, deren Eltern aus Polen und Rumänien, aus Deutschland und aus Bayern, aus der Ecke, die mal Syrien war, also aus ner Menge Länder kommen.

Tarzanstochter kennt das: In ihrem Fußballverein spielen Kinder, deren Eltern aus Spanien und Bulgarien, aus Nigeria und Rumänien kommen, deren Eltern arm und reich sind. Sie ist das einzige Mädchen in der Mannscha …. im Team.

Das ist alles relativ egal, Hauptsache es geht gegen Allemania. Weniger des Namens wegen, als weil das der verachtenswerte Nachbarverein ist, den es immer und stets zu schlagen gilt. Abgrenzung beginnt früh.

Nun gibt es ja en Menge Turniere. Da kommt man schon rum, im Umland. Jetzt waren wir im Süden, eine Stunde vor der Stadt. Auf dem Lande. Es ging gegen Mannschaften, die noch tiefer aus dem Land stammen. Blonde, rotbäckige Jünglinge. Keine Mädchen. Keine Schwarzen. Nicht einmal Schwarzhaarige.

Ich sitze auf der Tribüne neben dem Spanier und dem dem Belgier (rechts), links sitzen die Bulgarin und die Rumänin. Wir schauen auf die auflaufende Jungschaften (von Mannschaften möchte ich da noch nicht reden).

Der Belgier guckt, und sagt: „Die anderen sind ethnisch homogener.“

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