Väter. Trinken. Bier.

Am meisten werde ich von anderen Vätern um meine „Väter-*-Aktivitäten beneidet:  Diese begannen mit einem Erzieher, der vorschlug man könnte doch mal zusammen – also ohne Mütter – in ein Familienhotel gehen und … und… naja, dahin fahren eben. Und dann mal sehen.

Das taten wir.

Das war gut: Die Kinder hatten ein Wochenende lang eine Riesengaudi, die Väter konnten in Ruhe mal ein Bier trinken über die wirklich wichtigen Dinge diskutieren, die Frauen genossen ein Wochenende Freiheit.
Alle waren zufrieden.
Nur die Pendler nicht. Am Freitag-Abend nach der harten Woche im Finanzamt auch noch keinen Sitzplatz bekommen, und dafür von 20 grölenden und kreischenden Kindergarten-Kindern umringt zu sein ist keine Freude. Nicht einmal für die Väter.

Seisdrum. Wir machen das inzwischen zwei Mal im Jahr. Die Zeit dazwischen vertreiben wir  – Väter  – uns mit Vater-Kind-Wanderungen (da können etwa Neulinge in Sachen Vater-Kind-Wochenende mal reinschnuppern, und ganzheitlich erleben, ob wir eher esoterisch oder eher  alkoholhaltig sind. Ahja, und sie können mit den Kindern wandern gehen. Alle zufrieden – bis auf die Bahnfahrer. Das ist schon hart, aber weniger hart als die Wochenende. Zum Wandern geht’s nur mit so zehn Kindern.)

Vater-Kino: Immer wenn ein Vater-verdächtiger Vilm ins Kino kommt:  Bond, Bruce, Bier, Bopcorn.  Wos halt zur Sache geht, und nicht über die finnischen Unteritel der unabhängigen rumänischen Sozialkrimskrams-Produktion gesprochen werden muss – bei  grünem Tee und EINEM ‚Spritz‘.

Vater-Bier:  inzwischen einmal im Monat;  in der Pinte, in die sich normalerwiese nicht einmal drei Väter zusammen reingetraut hätten. Aber zu zwölft, da geht’s. Geht ja auch um den Wochenumsatz in der Pinte. Seit aber das Eis gebrochen ist, erwarte ich fast täglich den ein oder andern mal alleine da raus kommen zu sehen.

Unser Einfallen dort schreckt etwas die alteingessenen Stammgäste auf, die teilweise dort sicher schon seit… 20?… 30? … Jahren trinken. Zwar kommen wir ohne die fröhliche Kinderschar: Aber lauter als sonst ists allemal. Da ist der Thekensteher schnell ein Bruder im Geiste mit dem Pendler und dem Stuttgart21Gegner.

Eher eine Art uneheliches Kind sind die Schlittschuh-Läufe. Ausgehend von einem Vater entwickelten sie sich zu einem Familie-Treff. Naja, man kann nicht alles (allein) haben.

Problematisch gestaltet sich allerdings das Zusammenrotten:  Zwar sind sich alle einig darüber, dass es durchaus knorke ist, mal unter sich zu sein, und das – sollten Frauen dabei sein – deren Aufgabe bestenfalls das Tanzen auf dem Tisch und oder – wichtiger noch –  das Beibringen der Getränke ist.

Aber –  und  das ist das wirklich Erschreckende: Nur drei Viertel der Männer lesen ihre Mails selbst. Oder allein! Was bedeutet,

  • dass sie ihr Passwort vergessen haben  („Schatz, hast Du das Passwort vom Computer geändert?“ „Jaha, is jetzt das Datum von unserem Hochzeitstag!“ „—-„)
  • dass sie nicht lesen können
  • dass ein Viertel der Männer so schlau ist, dass es sich alles vorlesen lässt. Das wäre die positive Interpretation.
  • Oder von ihren Frauen gefiltert vorgekaut bekommen, wo sie wann sein sollen. Dazu passt auch der Spruch, den ich öfter morgens von Müttern gehört hab “Oh! Ist schon wieder eurer…. Treffen? Da schicken ich meinen auch mal hin.“

Hingeschickte werden wieder zurückgeschickt, angetan mit Küchenschürze und Kochrezepten, will ich da immer sagen, aber ich bin zurückhaltend geworden: In einem meiner letzten Rundmails (Ich bin quasi der Bierwart, und daher für die rechtzeitige Ladung der  Männer verantwortlich) baute ich unäuffällig einen Klasse Chauvie-Witz ein.  Daraufhin hagelte es von einem Viertel der Leser  Leserinnen ziemliche Proteste, von denen ich mich bis heute nicht erholt hab. Immerhin treffe ich die Mädels jeden Morgen um 8 Uhr. Ihr wisst, in welch anfälligem, ja fragilen Zustand ich morgens um 8 Uhr bin. Willenlos, angreifbar, das ist praktisch mein Lindenblatt. Aber da werd ich angefaucht. Weil die Mädels nicht lassen können und die Mails ihrer Kerle lesen wollen.

Auf alle Fälle fiel mir da erst auf, dass der Verteiler ne Reihe  von verdächtig neutralen, gar weiblichen Mail-Adressen enthielt.

Ich thematisierte die Mail-Quote sofort – zugebenerweise etwas polemisch – in der erwähnten  Facebook-Gruppe, die erst hochwogte, drei Stunden stürmte (angefacht von erbosten Frauen, die das umgehend ihren Männern erzählen, zur Strafe aber die weiteren Termine fürs Väter-Bier ignorieren werden!), und die nun praktisch tot ist: Der Abschluß der Diskussion kam vom dem einzigen Mann, dem ich abnehm‘, dass er sich seine Mails von der Gemahlin vorlesen lässt, nachdem sie ihm ein Feierabend-Bier, wohltemperiert im schmucken Krug eingeschenkt,  gebracht hat:  Er teilte mit, dass in Zeiten von Mail und Facebook die Privatsphäre ohnehin aufgehört habe zu existieren. Ich freue mich, wenn der Kollege im Zug dabei ist, um die Pendler in Schach zu halten. Und dann hoffe ich, dass die Polizei schon noch ein wenig Privatsphäre respektiert (ggf mitlesende Polizisten möchten hier bitte kurz voten) .

Seither beschränke ich mich in den Mails auf die Fakten:

Väter.Trinken.Bier.
Mittwoch,  6.März.  20 Uhr: Wie immer.

Es ist nicht zu Ende! Soeben erreicht mich ein Mail von einer gewissen A*, die mir bereits als Vorleserin von  Vater F. aufgefallen ist. Er weigert sich ebenfalls aus irgendwelchen Gründen, seine Mails selbst zu öffnen. Also tut es A* für ihn. Da sie aber nun weiss (hoffentlich nicht nur aus dem Mail des Orga-Vaters N*), dass ihr Gatte F*  die Tage dann mal auf VaKiWoe ist, läd sie die einsamen Frauen zu einem … ja was wohl? … PROSECCO!  ein.

Interessanterweise nutzt sie dafür aber den Männer-Verteiler. Genaugenommen hat also die Frau vom F* mich zum Sektschlürfen eingeladen.

Mädels, so wird das NIX!

Andererseits: möglicherweise möchte die gute Frau einenKeil zwischen die Väter treiben, hofft, dass einer der Angeschrieben sich lieber mit 20 Müttern trifft und Prosecco trinkt, als mit 20 Vätern Bier. Das wird aber nicht gelingen!

Jetzt ist Schluß.

Für heute.

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