Es ist ein Junge!

Das Kind hat sich entschieden: Es ist nun über sechs Jahre, geht in die Schule, und hat sich irgendwie entschieden, eher ein Junge zu sein. Vorher fragte es nochmal, wie es geheißen hätte, wäre es ein Junge geworden, und wollte fortan so genannt werden.

Im Bekanntenkreis habe ich ein Freundin, bei der konnten sich die Eltern vom ausgesuchten Jungennamen so schwer trennen, dass er als Spitzname lebenslang an dem armen Mädchen, bzw der Frau kleben blieb – als ewige Erinnerung an Kindheit und den unerfüllten Wunsch der Eltern?

Aber zurück zur Entscheidung: Nicht, dass wir als Eltern ein Gedöns drum machen würden, was aus Kerlchen eines Tages werden wird. NEIN. Wir nicht. Nicht wie die andere Familie, die ihre Kinder (ich sag jetzt nicht welchen Geschlechts) Gender-neutral erziehen wollten.
Sagten sie. Bis der eine zur Einschulung einen rosa Einhorn-Schulranzen haben wollte. Da wurde dann doch auf den Weltraum-Ranzen Wert gelegt. Und die roten Trikots vom Verein gab  oben drauf. Zur Sicherheit womöglich.

Oder diese schwedische Familie, die angeblich selbst dem Kind das eigene Geschlecht vorenthalte, auf das es eines Tage selbst entscheide, was es sein will.
Wie macht man das? Das Kind in der schwedischen Einsamkeit auf der Insel aufwachsen lassen, ohne jede Kommunikation, Kontakt und so? Das geht wohl nur in einer Sauna. Hier jedenfalls hängen soviele halbnackte Frauen in der Gegend rum, dass der amerikanische Zweig der Verwandtschaft vor kurzem schwer beeindruckt war. Vermutlich wussten die bisher auch nicht, dass es außer Jungs noch was anderes gibt.

Wir auf alle Fälle sind da ganz offen: Kerlchen kann erst in alle Seelenruhe und Intensität Puppen spielen („Das sind keine Puppen! Das ist mein KIND!“) um dann auf dem Fußball Feld die Jungs zum Heulen zu bringen. Legt bei Bedarf auf den Unterschied zwischen Jungs und Mädchenhosen (Mädchen Hosen haben Applikationen und sind so eng, dass schon die Kinder nicht damit laufen können: daher sind Jungshosen beliebter. Jungshosen sind alle Hosen ohne Applikationen.)

Mein Kind hat sich also entschieden: Es ist ein Junge. Die Entscheidung  kommt zu einer vernünftigen Zeit, es ist kurz vor der Einschulung. Da ist es schon in Ordnung, wenn das Kind weiß, in welche Schultoilette es gehen wird. Passend dazu fragte es danach, wie es geheißen hätte, wenn es ein Junge geworden wäre. Wir sagten es ihr. Nun wollte sie wahlweise bei ihrem zweiten Namen, besser noch beim Jungs Namen genannt werden.

Ich habe mir um das Geschlecht meines Kindes nie Gedanken gemacht. Das heißt, eigentlich schon:  Als die Nachricht „ Schwanger!“ an mein Hirn durchdrang, poppte sofort das Bild hoch, wie ich mit meinem Sohn  am Fluß angele, dann am Feuer sitze, den selbst geangelten Fisch grille, und wir gemeinsam in den Vollmond starren.  Schweigend.

Nicht das ich je geangelt hätte. Außer das eine Mal, als mich Karsten, der Junge aus Wuppertal, der von seinen Eltern für die Sommerferien bei seiner Oma in Meldorf abgelegt worden war, während ich ebenfalls von meinen Eltern  bei meiner Oma in Meldorf abgelegt worden war, mitnahm. Es reichte für Aal, den – glaube ich – vor allem der Angellehrer fischte. Und aß. Gottseidank.

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