Parken in der Stadt – oder wenn das Kelleschwenken „Sofort wegfahren!“ bedeutet

Parkplätze sind in der Stadt ein rares und wichtiges Stück Grund. Ein Kollege empfahl mir, statt in Wohnungen in Tiefgaragenplätze zu investieren. Tolle Idee fand ich. Keine nervigen Mieter, keine Investitionen, keine Hausverwaltung, kein Hausmeister, dafür sich stetig mehrendes Geld. Ich dache darüber nach, wollte einen Termin mit meinem Finanzmanagern vereinbaren, da merkte ich, dass  ich bedauerlicherweise nicht einmal über Geld für die Miete eines Tiefgaragenplatz verfügte. Statt dessen kurve ich abends nach 18 Uhr mit Frau und Kind im Auto um den Block und suche  einen Parkplatz.  „Zu klein“, beurteilt sogar selbst Kerlchen schon, wenn ich langsam an einer Bucht vorbei fahre. Dabei ist es erst wenige Jahrealt. Aber weil sie es nun mal kann, kräht sie bei jedem zweiten Platz einfach mal: „ ZU KLEIN!“ Nicht, dass mich das irgendwie beeindruckt. Aber wenn man das oft genug hört …. Immerhin hat es Kerlchen schon erbost, das ein fremder (!) Mann (!!) meiner Frau mal beim Einparken geholfen hat, in dem er hinter dem Auto wild hin- und herwinkte (oder -wunk?), sie (also meine Frau, nicht meine Tochter) das aber gar nicht nötig hat. Das führte zu Hause flugs zu einer Diskussion über Rollenklischees, die darin gipfelte, dass Töchterchen sauer auf den hilfsbereiten Mann war. Ihm hätte sie zu rufen können: „Zu klein!“ Wer weiß wie er diesen Ruf aufgefasst hätte. Gegenüber dem Kindergarten ist nach der Sanierung der Straße ein einziger Parkplatz eingezeichnet worden. Er besteht nur aus einer weißen Linie auf dem schwarzen Asphalt. Kein Zusatzschild weist ihn als Behinderten-Parkplatz oder Platz für besondere Fälle (einen Freundin musste neulich fünf Euro zahlen, weil sie zwar einen Parkschein für die Innenstadt hat. Aber ausgerechnet in der Nähe ihres Büros gibt es einen ebenfalls abgegrenzten Bereich für etwa fünf Autos, auf dem der Parkschein, der sonst für die gesamte Innenstadt gilt, nicht gilt. Nur da. Vermutlich haben die  Anwohner dort seit 1783 in verbrieftes Parkrecht, das das bundesdeutsche Recht außer Kraft setzt. Aber so etwas gibt es in unserer Gegend nicht.) aus. Der Platz ist dort einfach. Möglicherweise ging der Stadt die Farbe aus, in Zeiten knapper Etats wäre das ja kein Wunder. Dachte ich mir. Bis ich Töchterchen mit dem Auto zum Kiga brachte. Und mich zwar ein Stück vor ihm, aber eben vor diesen Parkplatz stellte, auf dem ein Golf stand. Ich parkte noch nicht endgültig,  da winkte mir jemand aus dem Golf freundlich zu und blendete auf. ‚Niclas ?‘ dachte ich ‚bist du das? Im Golf? Der hat doch einen Toyota?‘ Die Golftür öffnete sich die Tür, ein Polizist wand sich heraus, und teilte mir mit, ich könne dort nicht parken. Ich sah mich um,  sah weitere geparkte Fahrzeuge, keine Schilder, die irgendetwas verboten, keine  Zeichnungen auf dem Asphalt … Warum nicht parken? Daher fragte ich ihn „Warum nicht parken?“ „Wir blitzen hier, Sie stehen vor der Linse!“. Ah. Das hätte er gleich sagen können. Zwar ist es … nun … mehr eine Arbeitsbeschaffung an dieser Stelle zu blitzen, wo die rasanten FC-Bayern-Wagen eh abbremsen, damit sie in die Tiefgarage fahren gleiten können. wenn siedagegen rauskommen sind sie erst auf Touren, wenn sie 500 Meter weiter vor meiner Haustür vorbei sausen. Mit 60. In derZzone-30. Dort gibt es aber keinen vorgemalten Parkplatz für Blitzer. Dort gibt es nur den halblegalen Parkplatz vor der Stehkneipe unten im Haus. Er ist nicht auf dem Grünsteifen, weil dort vor lauter Parken nix grünes mehr wächst. Nicht auf dem Radweg, aber auch nicht auf der Straße. Er ist …. da.  Der Wirt der Stehkneipe legt Wert darauf, dass dieser Parkplatz sein persönlicher ist, immerhin habe er der Stadt ja auch eine Ablöse bezahlt. Das erzählt er mir praktisch jedes Wochenende, wenn ich ihn auf dem Weg zu den Samstagseinkäufen auf der Straße, vor seinem Parkplatz treffe. Dann erzählt er mir wieder alles über Trittschalldämmung und wie der Gutachter feststellt, ob die Menschen in der Wohnung über der Kneipe etwas von den Geschehnissen in der Kneipe mitbekommen können – oder nicht. Ich weiss das mittlerweile, ich wohne seit gut sechs Jahren in dem Haus. Zwar treffen wir uns nicht jeden Samstag Morgen. Aber mit Trittschalldämmung kenne ich mich jetzt aus, da erzählt mir keiner mehr was. In diesem Teil der Straße gibt es so wenig  Parkplätze, dass ab und an sogar hinter des Wirtes BMW noch ein steht, der dann soweit in die Stichstraße ragt, dass es eng wird. Vor allem, wenn auf der anderen Seite der Straße, an der ebenfalls eine Kneipe ist, das Gleiche passiert. Die Stichstraße wächst gleichsam zu. In diesem Teil der Straße sind keine Parkplätze eingezeichnet. Das wäre gar nicht möglich, weil die Parkplätze immer belegt sind (außer an Weihnachten; zu Weihnachten sind die Menschen offenbar gerne auf dem Lande, oder fahren herum. Auf alle Fälle sind zu Weihnachten auffallend viele Parkplätze frei. Soviel, dass ich mir schon überlegt habe, ob man sie nicht speichern könnte für …  sagen wir den 3. Mai, wenn man mal keinen hat,oder Kerlchen jeden Parkplatz als “zu klein“ verurteilt. Da wäre es praktisch, wenn man einen der Weihnachtsplätze (nicht –plätzchen) aus dem Kofferraum ziehen könnte, ausrollen und darauf parken. Ohne aufgezeichneten Blitzparkplatz wissen die Polizisten wohl nicht wo blitzen, oder das gesammelte Material ist vor Gericht nicht verwertbar („Herr Vorsitzender, hohes Gericht, offenbar wurde bei diesem Verfahren gegen meinen Mandanten bisher völlig unterschlagen, dass das bewusste ‚Beweisfoto‘ von einem nicht gekennzeichneten Platz aus gemacht wurde!!! Wie, Hohes Gericht, WIE soll sich denn mein Mandant, ja, der bundesdeutsche Autofahrer überhaupt darauf einstellen können, wenn jetzt schon aus nicht gekennzeichneten Parkplätzen geblitzt werden darf?“ Also blitzen sie dort, wo ein Parkplatz  reserviert ist, überhaupt reserviert werden konnte, und wo eh‘ keine Sau schneller als 30 fährt. Dort sehe ich sie  öfter stehen. Und  vor allem aussteigen, wenn – wie jeden Morgen – die Eltern von 120 Kindern diese mit dem Auto bringen. Bei gutem Wetter steigen die Kollegen aus und verjagen brave Väter und Mütter, bei schlechtem winken sie mit der Kelle aus der offenen Tür. Das soll ja eigentlich eher bedeuten: „Stehenbleiben!“ bedeutet in diesem Falle eher „Wegfahren!“

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