Von Krankheit und Pharmaschinken

Das kommt ja öfter vor, als Mann so denkt, vor der Geburt.

Aber DAS ist dann doch übertrieben:  „Kerlchen ist oft krank,“ meint die Oma. Und erweckt eher den Eindruck, als sei Kerlchen ein schmächtiges, kränkliches Kindchen, und nicht das sportliche, breitschultrige Wesen, als das es die Eltern sehen. Immerhin gibts keine Rezepte für selbstgebraute Tränke, die es schon 1947 zu trinken gab. Wenn es überhaupt was gab. Damals.

pharmaschinken

Ich hab vergessen, wie viele Erkältungen pro Jahr pro Kind normal sind: Alle zwei Wochen, glaub‘ ich, ist das statistische Kind krank. Also so 24 Mal im Jahr. Ebenso oft sind in der Folge erst die Eltern verschnupft, dann der Chef.  Der Keudel, Fachbuch für alle grausligen Kinderkrankheiten, empfiehlt selbstgemachte Majoranbutter und Thymianhustensaft. Haben wir beides im Kleinkindalter ausprobiert. Stundenlanges Rumkochen und -basteln für einen kurzen Moment des angewidert verzogenen Kindermundes – jetzt gibts wieder herkömmliche Medizin aus der Apotheke.

In der Apotheke wird Kerlchen bereits mit dem Vornamen begrüßt. Das liegt allerdings mehr an der gemeinsamen Schwangerschaftsgymnastik der Frauen, als an Kerlchens hohem Krankheitsgrad.

Da der Winter sich für Erkältungen eher anbietet als der Sommer ist Kerlchen im Winter öfter krank.

Kommt der Schnupfen sind die Ohrenschmerzen nicht weit. Husten. Inhalieren geht gut in Verbindung mit Fernsehen lassen. Das führt dann schon mal zum umgekehrten Effekt, dass Kerlchen von sich aus vorschlägt, es könne doch ruhig mal wieder inhalieren.

Genaugenommen kann man Kerlchen beim Fernsehen so ziemlich alles einflößen, was sonst nicht geht.

In Norddeutschland wird übrigens doppelt so viel Antibiotika für Kinder verschrieben als im Süden. Sind die Kinder dort kränklicher? Ist das der Grund, warum es so wenig Skandinavier gibt? Gen Norden nimmt die Krankheitsquote zu? Gen Süden ab? Sind dort oben die schmächtigen Bürschlein, während der Bayer als solcher doch eher robust ist? Der Texaner, quasi? Oder die Ärzte ängstlicher? Ungebildeter? Mitvater C. meint, das läge an den teuren Zusatzausbildungen der Münchener Ärzte. Kaum ein Messingschild, auf dem nicht auf die hömöopathischen Zusatzausbildungen, Naturheilverfahren, Pendelschwingen oder die Magnetfeldtherapie hingewiesen wird.

Die find ich besonders gut, die Magnetfeldtherapie: erst diagnostiziert die Ärztin dies und das (was aber nur sie sehen kann, weil ich ja nicht ins Ohr gucken darf. Und wenn ich gucken täte kaum sehen würde, was sie sieht), verspricht Abhilfe mit der Magnetfeldtherapie, wendet sie an (20 Euro), guckt erneut ins Ohr, und ist umgehend sehr zufrieden. Fast (!! Es ist schon noch soviel da, dass wir morgen nochmal kommen müssen dürfen sollen. Erneut 20 Euro.), fast weg.

Jetzt waren auf alle Fälle ein paar Tage, an denen eben mal wieder Vattern Haus und Kind hütete. Immer nur die Mutter geht ja auch nicht. Etwa 24 Minuten, nachdem die Mutter das Haus verlassen hatte, war das Wohnzimmer in eine große Spielhalle verwandelt.  Das hält an, bis etwa 24 Minuten bevor die Mutter zurückkehrt.

Nach der Einkaufsrunde vor dem Essen (FEHLER! GROSSER FEHLER!) war Kerlchen jedenfalls mit zwei Portionen Gelbwurst  (Warum Gelbwurst? Warum geben alle Metzger oder Fleischereifachverkäuferinnen immer Gelbwurst-Radeln? Ist das im Norden auch so? Davon stand nix in der Zeitung. Evtl. könnte das mal ein norddeutscher Leser ergänzen, etwa einer aus Bielefeld oder Damp 2000.), Traubenzucker, Quarkbällchen, Medizini-Heftchen und weiterem Propaganda-Material der Pharma-Industrie sowie Quengelware von der Kasse abgefüllt.

Apropos  Pharma. Ich verwirrte  heute die Fleischerei-Fachverkäuferin mit der Frage, warum der Pharma-Schinken Pharma-Schinken heisse. Ob der aus den Anitibiotika hergestellt werde, der den süddeutschen Kinder vorenthalten wird, oder was?

Sie, die Arme, erläuterte mir detail- und kenntnisreich, das der gemeinte Schinken Farmer-Schinken sei, und irgendwie mit US-typischen Räuchermethoden zu tun habe.

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