Kindergeburtstag: Rauchmelder schlagen an

Freunde sind nun jene wenige Personen, die Du auch zum ersten Geburtstag Deines Kindes einladen wirst. Und glaube mir:  Das sind nur ganz ganz wenige. Denn der erste Geburtstag Deines Kindes ist was ganz besonderes. Zu diesem Tag wirst du nur wenige Menschen einladen können. Es sind ja ohnehin schon da:

  • Deine Eltern, also die Großeltern.
  • ihre Eltern, also nochmal Großeltern. Oder Opa und Oma.
  • die Hebamme, mit der ihr euch sooo gut verstanden habt.
  • Brüder, Schwestern, und deren Kinder. (Zusammen allein gute sieben Personen).
  • Laura aus der Krabbelgruppe und deren Mutter. Und weil dein Kind so nett ist, hat sich Dapappa von Laura auch gleich freigenommen und kommt mit.
  • Die Mutter von links unten, mit ihrem dreijährigen Gör, und dem Siebenjährigen ebenfalls, weil dessen Schachkurs ausgefallen ist und sich dessen Vater wohlweislich nicht frei genommen hat. Leider, denn diesen intellektuell hoch stehenden, aber emotional völlig fehlgeleiteten Nobelpreisaspiranten musst du auf dem Geburtstag Deines Kindes wirklich nicht haben. Aber es ist eh schon egal.

Also kommen jetzt ganze Familien bei euch zusammen. Hast du früher deine Kumpels auf ein Geburtstagsbier eingeladen, kommt jeder einzelne heute mit zwei Kindern und der dazugehörigen Mutter. Wenn Du Glück hast, ist es nur eine. Was wenig macht, denn immerhin spielen seine Kinder, die ja schon deutlich größer sind als das Deine, mit denen der Freundin Deiner Frau. Insgesamt sind jedenfalls statt der einschlägigen fünf Kumpels, die Du zu Deinem runden Geburtstag um Dich haben wolltest und mit denen Du – wie früher schweigend – um einen Kasten Bier meditieren, und vielleicht, GANZ vielleicht den ein oder anderen Johnny-Cash-Songtext diskutieren wolltest,  nun sage und schreibe 17 Menschen um Dich herum.

Kreischend.

Je nach Alter in unterschiedlichen Tonlagen. Aber alle so hoch wie die Rauchmelder, die seit neuestem und sicherheitshalber praktisch alle Zimmer deiner Wohnung zieren. Zwar ist es in den letzten 15 Jahren zu einer durchaus und bundesweit sinkenden Zahl von Wohnungsbränden gekommen. Aber Mann trägt ja nun Verantwortung (zusätzlich zu den vielen anderen Dingen, die Mann nun so trägt). Und genauso wie nun alle Welt den brutal gefährlichen Trendsport biken nur noch mit Helmen frönt (sogar wenn man nur ein Tchibo-Rad unter seinem altersgemäß verdicktem Hintern hat) verbrauchen jetzt Millionen von Rauchmeldern in Hunderttausenden von Wohnungen Milliarden Kilowatt Batterie-Atomstrom – den Strom von der Erde, den wir von unseren Kindern nur geliehen haben. Erstaunlich dass es noch kein Handwerk geschafft hat, sich die Wartung der Batterien in die Handwerkerrolle schreiben zu lassen. Damit einmal im Jahr für sagen wir 84,50 Euro ein speziell ausgebildeter Mann im Blaumann kommt, der die Batterien („Batterien kosten aber extra!“) tauscht und einen weiteren Grund schafft an einem weiteren willkürlichen Arbeitstag zwischen 8 und 21 Uhr zu Hause demütig warten zu müssen.

Aber egal. Sie kreischen eben.

Und es ist auch nicht 20 Uhr, wenn Du Dich mit Deinen Kumpels triffst, sondern 15 Uhr. Und die Luft ist gut, weil in Deinem Wohnzimmer eh nicht mehr geraucht werden darf, und nicht weil Deine Kneipe dem Nicht-Raucherschutz verfallen ist. Und außerdem sonst die Rauchmelder anschlagen würden.

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