Die Ausrüstung. Heute: Die Windel

Ein Kind ist ja in sekundenschnelle gezeugt. Mit Bordmitteln quasi. Ohne alles. Im wahrsten Sinne des Wortes ohne alles. Jedenfalls ists nun da.

Bisher hast Du Dich perfekt mit allem Wichtigem ausgekannt: Kanntest die Gebühren deiner Telefongesellschaft und aller Roaming-Partner im Ausland. Die Zahl der nötigen Pixel, um den Sieg Deiner Mannschaft in dem Super-Spiel endlich glasklar auf dem Flachen sehen zu können. Konntest bei dem Deinem Oldtimer mit verbunden Augen den Vergaser ausbauen, reinigen, und wieder einbauen. Mal eben den Internet-Provider wechseln, ohne auch nur eine Minuten offline zu sein, oder mit dem freundlich-inkompetenten Mann von der Hotline zu plaudern. Die einhundert Arten ein Bier ohne Flaschenöffner auf zu machen war Dir in Blut und Bier über gegangen.

Und jetzt das. Vor Dir liegt ein winziges Wesen, das Deiner bedarf. Und vor allem der Kinder-Industrie: Und Du hast erstmal gar keine Ahnung.

Allein bei den Windeln gibts  ja RIESEN-Unterschiede, mit denen Du dich nun vertraut machen musst. Denn Du wirst in den kommenden drei Jahren geschätzt und durchschnittlich mit rund 5475 Windeln zu tun haben. Pro Kind. Legen wir die Midis (heute im Angebot!) als Durchschnitt für die kommenden Jahre fest gibst du allein für diesen Scheiss rund 1000 Euro aus. Ohne Ölläppchen, Creme, Unterlagen, Windeleimer, … Grund genug also sich ernsthaft mit dem Thema auseinander zusetzen.

Erste Lektion: Die Windeln die Du nun kaufst sind nicht für deine Eltern, sie sind für Dein Kind. Zwar ist es im Prinzip das gleiche Produkt, und die Windeln für die jüngsten und für die ältesten liegen beim Rossmann nur wenige Meter auseinander, aber bei Kindern heissen sie irgendwie knuddelich „Babyhöschen Newborn“. Die Version für Deine Eltern heisst dagegen eher garstig  Inkontinenz-Artikel. Bei der Unterscheidung können auch die Bildchen auf den Packungen helfen: Die süssen Babys sind eher für Kinder. Die ewig gut aussehenden und totale Aktivität (trotz Inkontinenz!) ausstrahlenden Opas und Omis sind eher die Werbeträger für die Seniorenwindeln. Fremdwörter verbrämen so schön, was sich dahinter verbirgt. Aber es ist schon mal eine gute Gelegenheit sich auch mit dem Thema „Was tun mit den Eltern wenns soweit ist?“ auseinanderzusetzen. Andererseits, ein Pflegefall reicht erstmal – und der Deine ist insofern fröhlicher, als er früher oder später ohne Windeln auskommt.

Lektion zwei: Baumwollwindeln und Windelservice – ist das mehr öko, als Wegwerf-Windeln? Ist es zumutbar eine echte Scheisse-Tonne im Badezimmer stehen zu haben, einem anderen Menschen (!)  zumutbar, sein Leben damit zu finanzieren, das er von Haus zu Hause fährt, und eben diese Tonnen abholt? Im fünften Sommer nach dem Klimawandel? Und die Tonne dann und wann auch mal runter fällt und der geruchssichere Deckel aufgeht? Gar nicht zu reden von Deinen Versuchen die letzten Windeln am Ende der Woche noch in die Tonne zu treten?

Jenen, den es an der entsprechenden ökologischen Orientierung fehlt, fällt spätestens an dieser Stelle die Biotonne im Hauseingang ein, in der sich im vergangenem Jahr nicht nur fantastische, unglaubliche Gerüche sondern auch Heerscharen von Maden gesammelt haben. Und die Biotonne steht immerhin ausserhalb der eigenen Wohnung. Aber so was denken nur jene, denen nicht bewusst ist, dass wir nur zu Gast auf der Erde unserer Kinder sind!

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