Väter tuns: Panzer fahren in Brandenburg

Wir sitzen in der Zünftigen Wirtin. Klaus, Andreas, Martin.

Richard wirkte in letzter Zeit immer etwas geknickt. Kein Wunder, das Kind braucht ihn kaum noch, im Gegenteil, in der Firma, so erzählt er, geht’s auch nicht wirklich weiter, wir sind sein einziger Quell der Freude.

„Mach doch mal ein Wochenende für dich“, meint Klaus, „mach doch mal was richtig geiles!“

Seine Frau wolle ihn mehr zur … inneren Einkehr bewegen, sagt Richard, immerhin neuer Lebensabschnitt, Sinnlichkeit und so. „Partnermassage haben wir das letzte Wochenende gemacht. Also würden wir uns jetzt die kommenden 15 Jahre massieren!“ Richard nimmt einen Schluck Apfelschorle, als müsse er den Geschmack der Räucherstäbchen runterspülen, die offenbar unentwegt abgebrannt wurden. Bier verträgt er nicht mehr so. Weiterlesen

Kein Vater kann seine Kinder richtig anziehen – behaupten die Frauen

Ich treffe Klaus.

Zufällig. Beim Einkaufen, sein jüngerer Sohn begleitet ihn. Hübsch warm eingepackt trottet er hinter seinem Vater her. Klaus ist über 50 sieht aber aus wie über 40. Gepflegt, seine grüne Army-Jacke harmoniert gut mit seinem schwarzen Pulli, Jeans, bequeme gute Schuhe. Gutes Outfit fürs Einkaufen, der Jahreszeit angemessen.

Wir wechseln ein paar Worte, bevor ich seinen Sohn näher betrachte, und denke, der ist aber echt eingepackt. Das sage ich dann auch: Weiterlesen

Wenn die Tochter dem Vater das neue Auto vermiest

Wir sitzen in der Zünftigen Wirtin.

Thomas kommt, nein stürmt, rast förmlich rein, bevor er noch die Maske vom Mund und Nase reißt donnert er den Autoschlüssel, heute eher die Fernbedienung, auf den Tisch. Eine Bierpfütze muss er nicht fürchten, Zenzi wischt unablässig erst den Tresen, dann alle Tische. Coronazeit.

Männer tun das, den Autoschlüssel auf den Tisch legen, so, dass ihn alle sehen. Das machen sie schon lange. Erst nur den Autoschlüssel. Dann schlich sich das Handy dazu. Dann legten die Erfolgreichen zwei auf den Tisch. Sie müssen ja für die Vollpfosten aus Weiterlesen

Erhabenes Agavengrün? Dynamisches Platingrau? Männer kennen vor allem Dunkles und Helles

Wir sitzen in der Zünftigen Wirtin, schön distanziert, verteilt im kleinen, gut gelüftetem Raum. Heute sind Martin, Jürgen und Thomas da, wir haben zwei Gruppen gebildet. Die Gruppe ‚blau‘ kommt Montag, Mittwoch, Freitag, ‚rot‘ Dienstag, Donnerstag, Samstag. Sonntag ist Ruhe.

Zenzi läuft ab und an vorbei, es ist ja nicht so viel zu tun.  Martin hat bräunliche Flecken an den Fingern, das sehe ich sogar vom über drei Meter (wir sind vorsichtig – niemand will sein Bier aus dem Infusionsschlauch trinken) entfernten Platz: Was ist das bloß? Weiterlesen

… über allem kreist der Weisskopf-Adler

Vätern von Töchtern sagt man nach, sie seien im entsprechenden Alter (also dem der Tochter) unausstehlich, und würden mit der Flinte auf dem Schoß vor der Wohnungstür, und der Kinder(?)-Zimmertür sitzen und über das das Wohlergehen des zarten Töchterchens, das möglicherweise  schon bald 21 Jahre zählt, wachen. Also über das, was die Väter so für das Wohlergehen halten.

Vätern von Jungs wird gar nix nachgesagt. Weiterlesen

Wenn die Digitalisierung ausgedruckt wird

Wir gehen spazieren. Das ist dem Social Distancing geschuldet, normalerweise säßen wir natürlich in der Zünftigen Wirtin. Geht aber nicht. Außerdem, erklärt Jürgen, wenn man den ganzen Tag mit der Familie zusammensitze, und dann beim Abendessen die Halbwüchsigen schnatterten, und die Frau schweigt, dann sei es auch mal Zeit eine Runde zu drehen: „Das ist für alle gut. Für die Kinder, für die Frau, für mich.“

Ich nicke Jürgen wissend zu.

Jürgen sagt, vor lauter Telefonkonferenzen mit Video sei er schon ganz komisch im Kopf. Bei einigen könne er nur zuhören und klicke ein bisschen im Internet rum; sicher, das mache es anstrengend, weil rumklicken und im steten Fluss des Geschwafels der anderen auf Stichwörter hören … puhhh … so stelle er sich vor die Arbeit der Abhörspezialisten des Verfassungsschutz vor. Immer im Dämmerschlaf bis einer Weiterlesen

Corona-Segen: Keine Pausenbrote

Wir saßen in Nics Keller.

Wir sitzen da ab und an. Männer haben ja heute nicht mehr so viele Refugien. Das Wohnzimmer ist fest in der Hand der Frauen, die Kinderzimmer sowieso tabu, Kneipen und Kaschemmen nicht mehr so verfügbar. Also hat Nic in seinem Keller eine Werkstatt eingerichtet, mit allem: Werkbank, Werkzeug-Wand mit aufgemalten Silhouetten, Heizlüfter für den Winter, eine echte alte Stereoanlage mit Cassetten-Deck, zwei Poster (höhöhö), zwei Barhocker, so Sachen.

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Corona-Tagebuch: Hirschkuss online bestellen

Wir sitzen vor den Kameras, eigentlich wie immer, Martin, Thomas, Jürgen, Dieter mal wieder. Der ein oder andere kommt dazu und geht wieder, Zenzi, die Bedienung aus der Zünftigen Wirten, in der wir uns sonst… physisch … treffen, ist heute wieder nicht dabei. Dieters Leitung ruckelt wie immer.

Bisher trank ja jeder, was er gerade im Kühlschrank findet. Zum Beispiel Eierlikör, der eine echte Renaissance erlebt, seit es den Thermomix gibt: „Kannste toll Eierlikör mit machen“ scheint mir die Haupt-Argumentationslinie, um sich einen über 1000 Euro Topf mit Heizplatte in die Küche zu stellen. Bestellt man 5 Geräte gibt es Nachlass. Aber im Ernst: Küchengerät für 5000 Euro bestellen?!

Allerdings wird mehr als Eierlikör doch Bier getrunken… Weiterlesen

Das Corona-Tagebuch: Männer laufen gemeinsam, nicht zusammen

Wir sitzen vor den Kameras, leicht derangiert, Thomas, Michael, Martin, der ein oder andere erscheint als Scheme in der Teilnehmerleiste, die Haare sind länger als üblich, außer bei Michael, der hat sie ratzeputz nieder rasiert, „… bis ich wieder unter Leute darf vergehen Wochen“. Das sei irgendwie auch ein Zeichen. Thomas hebt sein Weissbieglas in die Linse, und ruft: „Isotonisch! Das brauchma jetzt!“ Wir hatten verabredet zu laufen, gemeinsam, aber nicht zusammen: Start zur gleichen Zeit, jeder hatte sich eine Strecke ausgesucht, dann starteten wir alle.

Jetzt vergleichen wir auf unserer App unsere Ergebnisse. Weiterlesen